Reden-Ranking
Seit 1. Juli 2024| Rang | Name | Land | Fraktion | Reden |
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Alle Beiträge (59)
Schengen-Raum: Digitalisierung des Visumverfahrens - Schengen-Raum: Änderung der Verordnung über die Visummarke (Gemeinsame Aussprache - Schengen-Raum)
Datum:
17.10.2023 12:54
| Sprache: DE
Herr Präsident, Herr Kommissar! In letzter Zeit wird ja immer wieder das Ende von Schengen an die Wand gemalt. Die Leute reden quasi herbei, dass Schengen eigentlich gar keine Zukunft hat. Aber wenn wir uns die Realität anschauen, dann sehen wir doch eigentlich, dass wir mit der Reform des Schengener Grenzkodex jetzt Schengen fit für die Zukunft machen, dass wir mit der Einführung des Einreise-/Ausreisesystems eine bessere Übersicht haben, wer eigentlich mit Schengen-Visa nach Europa kommt, wer gerade in Europa ist. Und man würde sich, glaube ich, wünschen, dass sich die Mitgliedstaaten, die teilweise auch sehr leichtfertig in letzter Zeit Binnengrenzkontrollen einführen, dieses Privileg, Teil der Schengen-Familie zu sein, mehr bewusst machen. Ich hoffe auch, dass sich die Mitgliedstaaten, die da noch zögerlich sind, darauf besinnen, dass Bulgarien und Rumänien schon längst Teil der Schengen-Familie sind. Und besonders, wenn man einen besseren rechtsstaatlichen Schutz der Außengrenzen will, dann ist es doch völlig absurd, dass Bulgarien und Rumänien noch Grenzbeamte brauchen, die die Binnengrenzen kontrollieren, anstatt dass sie da rechtsstaatlich und menschenrechtskonform an den Außengrenzen aktiv werden können. Ich glaube, die Visa-Digitalisierung, über die wir heute reden, ist ein riesiger Schritt. Sie spart den Menschen aus 104 Ländern – und das muss man sich bewusst machen: 104 Länder haben nicht das Privileg, das wir haben, einfach visumfrei durch den Schengen-Raum zu reisen – Zeit und Geld, sie entlastet die Auslandsvertretungen und sorgt dafür, dass Engpässe bei den Auslandsvertretungen dann eben nicht mehr auftreten. Ich glaube, das ist ein sehr, sehr wichtiger Schritt. Wir sollten diesen Erfolg wirklich gemeinsam feiern, dass wir den Schengen-Raum so fit für die Zukunft machen. Auf der anderen Seite glaube ich auch, dass es wichtig ist, die Mitgliedstaaten daran zu erinnern – und das war bei den Verhandlungen wieder sichtbar –, dass sie nicht immer versprechen dürfen, legale Fluchtwege zu schaffen. Mit der Einführung eines humanitären Visums hätten sie die Möglichkeit, besonders Gefährdete legal und sicher nach Europa zu bringen. Leider haben sie sich dem verweigert. Und ich hoffe, dass wir in der Zukunft bei der Schaffung legaler Migrationswege erfolgreicher sind, die dann auch irreguläre Migration beseitigen können. Ich danke noch mal den Schattenberichterstattern und auch dem Berichterstatter für die gute Zusammenarbeit und freue mich, dass wir das so gut hinbekommen haben.
Notwendigkeit einer raschen Annahme des Asyl- und Migrationspakets (Aussprache)
Datum:
04.10.2023 08:20
| Sprache: DE
Herr Präsident! Was mir Sorgen macht, ist, dass ich den Eindruck gewinne, dass in der Debatte um den Pakt viele Mitgliedstaaten glauben, man müsse Geflüchtete einfach noch ein bisschen schlechter behandeln als heute, immer jeden Tag noch ein bisschen schlechter behandeln als gestern, und dann würden sie schon irgendwann aufhören zu kommen. Es ist ja inzwischen so zynisch, dass wir schon darüber diskutieren, ob wir Menschen aus Seenot noch retten sollen. Ich meine, die Diskussion, die dahintersteckt, ist ja nicht, ob die Menschen in Seenot sind – alle sind sich einig –, sondern ob man Menschen in Seenot noch retten will oder ob sie lieber ertrinken sollen, um dann vielleicht später andere abzuschrecken, damit sie nicht mehr kommen. Wenn wir so anfangen und nicht merken, dass diese Abschreckungspolitik ja nicht nur zu Chaos und Leid führt, sondern auch seit Jahren nicht funktioniert – wir führen die Debatten doch seit Jahren, schrecken ab, und trotzdem kommen immer mehr Menschen –, dann glaube ich, dass wir vergessen, dass Humanität und Rechtsstaatlichkeit eben nicht nur Beiwerk unserer Demokratien sind, sondern dass Humanität und Rechtsstaatlichkeit die Grundlage dessen sind, was uns ausmacht, die Grundlage der europäischen Ordnung sind. Ich glaube, wenn die Mitgliedstaaten erfolgreich sein wollen, dann wäre es wichtig, dass sie Vertrauen aufbauen, auch bei der Bevölkerung, und vieles, was im Pakt vielleicht angelegt ist, worüber man redet, jetzt schon machen: faire Verfahren, bessere Arbeitsmarktintegration, faire Verteilung, Menschenrechtsbeobachtung. Man könnte jetzt auch Abkommen machen, die die Lage vor Ort verbessern und legale statt irregulärer Migration fördern. Dass all das nicht passiert, das liegt nicht daran, dass wir noch keinen Pakt haben, sondern dass es am politischen Willen fehlt. Ich würde mir wünschen, dass wir jetzt damit beginnen und dann weiterverhandeln.
Mit Korruption verbundener großmaßstäblicher Verkauf von Schengen-Visa (Aussprache)
Datum:
03.10.2023 11:02
| Sprache: DE
Herr Präsident, Herr Kommissar Schinas! Sie haben es gesagt, das Schengen-System ist nicht nur eine der größten Errungenschaften, die wir uns als Europäische Union, als Europa geschaffen haben, sondern es ist eben auch etwas sehr Fragiles, wenn das Vertrauen in dieses Schengen-System erschüttert wird. Was ich schon wichtig festzuhalten finde, ist, dass die polnische Regierung gerade nicht daran arbeitet, bei diesen Vorwürfen das Vertrauen zurückzugewinnen. Ich glaube, wir werden vor den polnischen Wahlen nichts darüber erfahren, wie es um diesen Skandal steht. Wir werden nur erleben, dass die polnische Regierung diesen Skandal kleinredet, weil ihr der eigene Vorteil wichtiger ist als das Schengen-System in Europa. Ich finde, das kann man auch einmal festhalten. Ich glaube auch, dass wir einfach sehen, dass man, wenn man Rechtsstaatlichkeit in einem Land abbaut, dann weniger Rechtsstaatlichkeit hat. Die Regierungen wie die polnische mögen dann behaupten, sie würden das aus irgendwelchen hehren Zielen gegen irgendwelche bösen Mächte machen. Aber eigentlich – und das muss man, glaube ich, auch der polnischen Bevölkerung sagen – macht diese Regierung das zum eigenen Vorteil. Und so sieht es ja auch in diesem Skandal aus. Es sieht so aus, als würde Rechtsstaatlichkeit abgebaut werden, damit Korruption leichter wird. Wir sehen das nicht nur im Visasystem, wir sehen ja auch − und das muss ich auch aus deutscher Perspektive einmal sagen −, dass das Vertrauen in das Schengen-System von der polnischen Regierung erschüttert wird − wenn man den Eindruck hat, Polen tut so, als würde es gerne die Außengrenzen schützen, als würde es Zäune bauen, aber was dann am Ende passiert, ist, dass sie auf der einen Seite Menschen nicht, wie es im EU-Recht vorgesehen ist, an den Außengrenzen registrieren, sondern sie verprügeln, sie immer wieder über die Grenze schicken und irgendwann dann einmal Menschen an der deutschen Grenze stehen, die nicht nur geschädigt sind von den Erfahrungen mit der polnischen Grenzpolizei, sondern die eben auch unregistriert sind. Ich finde, so kann man nicht mit dem Schengen-System umgehen. So kann man mit den Errungenschaften Europas, so, wie die polnische Regierung es gerade tut, kann man mit Europa nicht umgehen. Und wenn man dann immer das eine verspricht und das andere tut, dann, finde ich, kann man auch mit der Demokratie in der Politik so nicht umgehen, wie es die polnische Regierung gerade tut.
Gedenken anlässlich des 10. Jahrestags der Tragödie von Lampedusa(Erklärung der Präsidentin)
Datum:
03.10.2023 10:10
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Das Unglück von Lampedusa jährt sich zum zehnten Mal. Binnen weniger Tage sind damals 600 Menschen ums Leben gekommen − Männer, Frauen und Kinder, bei denen dann später herauskam, dass sie zu großen Teilen in Libyen gefoltert und vergewaltigt wurden. Die Frage ist, wo stehen wir jetzt, zehn Jahre nach diesem schrecklichen Unglück? Inzwischen sind seitdem 28 000 Menschen ertrunken, und statt der Seenotrettung im Mittelmeer finanzieren wir Milizen in Libyen, die selbst in Schlepperei verwickelt sind. Wir finanzieren, dass möglichst viele derjenigen, die jetzt gefoltert, vergewaltigt und teilweise versklavt werden, nicht mehr aus diesen Situationen fliehen können. Und diejenigen, die dann angesichts dieses tausendfachen Todes helfen wollen, werden kriminalisiert und diffamiert. Dabei zeigen viele Studien, dass nicht sie der Grund dafür sind, dass Menschen sich auf den Weg machen, sondern sie sind der Grund dafür, dass weniger Menschen ertrinken. Frau Präsidentin, als wir 2012 den Friedensnobelpreis erhielten, da hat das Nobelpreiskomitee gesagt: „Die Europäische Union hat aus einem Kontinent des Krieges einen Kontinent des Friedens gemacht.“ Ich glaube, wir müssen nun aufpassen, dass wir aus diesem Kontinent nicht einen Kontinent machen, der einen Krieg gegen Schutzsuchende führt. Ich glaube, im Umgang mit den Schwächsten zeigt sich, wie stark Europa wirklich ist.
Abkommen EU-Tunesien – Aspekte der externen Migrationspolitik (Aussprache)
Datum:
12.09.2023 09:13
| Sprache: DE
Herr Präsident! In der öffentlichen Diskussion ist es ja immer so schwarz-weiß, also ist man für oder gegen Abkommen mit Drittstaaten. Aber ich glaube, die Debatte heute zeigt auch, dass es eben darauf ankommt, wie solche Abkommen gestaltet sind. Ich glaube, dass Abkommen gut sein können, wenn sie bestimmte Ziele erreichen wollen, nämlich die humanitäre Situation vor Ort zu verbessern, nämlich Migration besser zu organisieren, dass das Sterben vermieden wird, und wenn solche Abkommen eben dann auch am Ende Menschenrechte und Demokratie fördern. Dass all das bei diesem Tunesien-Deal am Ende herauskommt, glaube ich aber nicht. Wie unwichtig uns Demokratie zu sein scheint, sieht man ja schon wieder daran, wie das Abkommen eigentlich zustande kommt. Wir haben ja nicht einmal den Text demokratisch in der EU diskutieren können. Das Parlament war ja überhaupt nicht eingebunden. Und dass die Kommission immer wieder gegen die gleiche Wand rennt beim Scheitern in der Türkei, beim Scheitern in Libyen, das ist schon ein bisschen verwunderlich. Und es ist auch verwunderlich, dass besonders diejenigen auf der rechten Seite des Parlaments, die am stärksten gegen Schlepper kämpfen wollen, dann dastehen und solche Abkommen loben. Denn, wer schickt denn die Menschen dort in die Wüste und wer wird dann in die Wüste geschickt? Das sind doch die Menschen, die nicht bezahlen können. Und wer entscheidet denn, welche Boote ablegen? Das ist doch das Regime. Es ist doch unvorstellbar, dass Saied nicht selbst persönlich davon profitiert, dass diese Menschen ablegen. Es sind doch die Schlepper, mit denen wir Abkommen machen, statt sie zu bekämpfen.
Ausführungen von einer Minute zu Fragen von politischer Bedeutung
Datum:
11.09.2023 19:08
| Sprache: DE
Herr Präsident! Ich wollte heute Abend das Wort ergreifen, um auf die Situation in Afghanistan aufmerksam zu machen, wo vor zwei Jahren die Taliban die Macht übernommen haben, und den Menschen dort sagen, dass sie nicht vergessen sind – auch von uns hier nicht. Ich erinnere mich noch, wie vor zwei Jahren die ganze Welt nach Afghanistan geschaut hat. Und inzwischen hat man leider das Gefühl, dass die ganze Welt die Situation in Afghanistan vergessen hat. Letzte Woche erst hat das Welternährungsprogramm verkündet, dass wegen mangelndem Geld aus der internationalen Gemeinschaft 10 Millionen Menschen in Afghanistan nicht mehr mit Essen versorgt werden können. Immer mehr Menschen hungern dort, immer mehr Menschen fliehen in die angrenzenden Regionen. Und auch in den angrenzenden Regionen tun wir nicht genug, um zum Beispiel Mädchen aus Afghanistan dort – beispielsweise in Pakistan – mit einem Stipendium zu helfen, eine Ausbildung zu machen, die in Afghanistan verwehrt ist. Ich finde, wenn wir uns die Situation genau anschauen, dann müssen wir uns eigentlich nicht wundern, wenn viele Menschen aus Afghanistan versuchen, nach Europa zu fliehen. Und dass wir ihnen nicht mit einem rechtsstaatlichen Verfahren begegnen, sondern sie vielfach entrechten, das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist eigentlich nicht mal mehr Doppelmoral, das ist das Ende von Moral, und es ist etwas, was uns beschämen sollte.
Handlungsbedarf auf EU-Ebene bei Such- und Rettungseinsätzen im Mittelmeer (Aussprache)
Datum:
12.07.2023 08:43
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Ich weiß nicht, wie es den anderen geht, aber mir persönlich fällt es eigentlich schwer, immer wieder diese Debatten zu haben. Dann schreibt man Reden auf und merkt eigentlich: Wahrscheinlich treffen wir uns bald wieder und haben nur noch Schlimmeres, über das wir reden, und die Lage verbessert sich nicht. Ich finde es schwierig, wenn wir dann immer wieder sagen: Ja klar, also Menschen in Seenot müssen gerettet werden, NGOs dürfen nicht kriminalisiert werden, Unglücke müssen aufgeklärt werden. Und dann stehen wir hier, nach dem Schiffsunglück von Pylos und nachdem es dann keine gemeinsame Kraftanstrengung gab, diese Menschen überhaupt zu retten. Es gab nicht einmal eine gemeinsame Kraftanstrengung, um überhaupt die Leichen zu bergen, die im Mittelmeer noch herumliegen, weil über 500 Menschen mit dem Schiff in die Tiefe gezogen wurden. Aber was ist da eigentlich passiert? Das Boot ist abgelegt, völlig überfüllt, eine viel zu gefährliche Aktion. Das Boot war schon ab dem ersten Moment in Seenot. Es fährt tagelang überfüllt im Mittelmeer, wird dann von Frontex gefunden. Frontex meldet Griechenland das Boot, aber Griechenland rettet nicht. Es gibt keine Rettungsaktion. Griechenland schickt auch keine anderen Boote. Ja, Griechenland bittet Frontex nicht einmal, das Boot weiter zu beobachten, weil man eben gar nicht will, dass es beobachtet wird. Und warum will man das nicht? Das kommt dann am Abend heraus, nachdem das Boot 13 Stunden schon fast auf der Stelle steht: Man schickt maskierte Spezialeinheiten, die das Boot ins Schlepptau nehmen und Richtung Italien ziehen wollen, und als man es zieht, geht das Boot unter. Als es untergeht, fängt man nicht sofort mit der Rettung an, sondern 80 Menschen sind schon gestorben, als man dann anfängt, die 104 Überlebenden aufzusammeln. Diese Überlebenden werden in ein geschlossenes Lager gebracht, ihnen wird der Kontakt zu Journalisten nicht erlaubt, und ihnen werden die Handys abgenommen, damit es keine Beweise für all das gibt, was ich gerade erzähle. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist ehrlicherweise kein Unglück. Das ist ein Verbrechen. Ich glaube, wir sollten alles tun, damit dieses Verbrechen aufgeklärt wird. Denn am Ende können wir uns immer wieder beteuern, dass die Würde jedes einzelnen Menschen unantastbar sein sollte. Aber wenn wir uns diese Frage wirklich stellen und sie mit Ja beantworten, dann sollten alle, die diese Frage mit Ja beantworten, jetzt eben nicht nur darüber reden, dass gehandelt werden muss, sondern zeigen, dass die Würde jedes einzelnen Menschen in Europa noch unantastbar ist. Man sollte zeigen, dass man handeln kann. Zum Beispiel könnte die EU-Kommission auch dazu beitragen, Seenotrettungsorganisationen zu unterstützen, wenn die Seenotrettung denn so wichtig ist, wie jetzt immer wieder betont wird.
Die Notwendigkeit einer europäischen Solidarität bei der Rettung von Menschenleben im Mittelmeerraum, insbesondere in Italien (Aussprache)
Datum:
18.04.2023 18:04
| Sprache: DE
Herr Präsident! Also ohne Zweifel wäre es ja gut, wenn wir die Gesetze verbessern, die wir haben, aber kein Gesetz der Welt wird uns davon befreien, dass wir am Ende Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten, Solidarität mit Geflüchteten ja nicht nur beschließen, sondern dass wir sie einfach leben müssen. Wir brauchen momentan auch eigentlich keine neuen Gesetze, um etwas besser zu machen. Im Jahr 2014 gab es 315 Kilometer Zäune an den Außengrenzen. Jetzt, also im Jahr 2023, sind es 2048 Kilometer, mehr als sechsmal so viele Kilometer Zäune an den Außengrenzen. Und trotzdem steigen die Geflüchtetenzahlen wieder, trotzdem haben wir in diesem Jahr schon wieder 604 Tote im Mittelmeer. Das sind ungefähr so viele freie Plätze, wie wir hier gerade haben. Ich glaube, dass wir uns klarmachen müssen, dass mit den Mauern an den Außengrenzen auch eine Mauer aus Lügen gebaut wird, eine Mauer aus Lügen, die so tut, als sei Abschottung eine Lösung. Aber Abschottung ist eben keine Lösung, weil kein Zaun der Welt dafür sorgt, dass es am Ende weniger Geflüchtete gibt. Die Wahrheit, die wir erleben, ist doch, dass die EU-Asylpolitik davon geprägt ist, dass eigentlich alles dem Ziel untergeordnet wird, dass am Ende weniger Geflüchtete ankommen. Die Menschenrechte werden diesem Ziel untergeordnet, die Menschenwürde wird diesem Ziel untergeordnet, die Rechtsstaatlichkeit und ja, auch die Ehrlichkeit darüber, dass das alles so stattfindet, werden diesem Ziel untergeordnet. Zum Beispiel: Weniger als 10 Prozent der Menschen werden von Seenotrettungsorganisationen momentan gerettet, und trotzdem gibt es einige, die hier so tun, als sei die Seenotrettung daran schuld, dass Menschen im Mittelmeer sterben. Das Gegenteil ist der Fall. Wir brauchen Seenotrettung und wenn man ehrlich ist, Herr Hahn, dann ist es doch so, dass es nicht sein kann, dass 2012 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte uns dazu verurteilt, keine Menschen nach Libyen mehr zurückzubringen und wir dann ganz schlau denken: Ja, dann machen wir das eben nicht mehr selber, sondern geben ganz viel Geld an die Libyer, tun so, als sei das Seenotrettung und geben aber 0 Euro für zivile Seenotrettung im Mittelmeer aus. Wenn auf der einen Seite 0 Euro für echte Seenotrettung stehen und auf der anderen Seite Geld für Menschen steht, die selbst in Schlepperaktivitäten verstrickt sind, die also eigentlich vor Gerichten stehen müssen, aber trotzdem noch unser Steuergeld bekommen, dann läuft etwas gewaltig falsch. Ich bin sehr dafür, dass wir Gesetze neu verhandeln, aber eigentlich sollten wir erst einmal unser Verhältnis zum Rechtsstaat klären. Das können wir ändern, ohne neue Regeln zu haben.
Todesfälle auf hoher See – eine gemeinsame Reaktion der EU zur Rettung von Menschenleben und Maßnahmen zur Sicherstellung sicherer und legaler Migrationswege (Aussprache)
Datum:
15.03.2023 15:25
| Sprache: DE
Herr Präsident! Ich glaube ja, dass einige recht haben, ich sehe das auch so. Die Schmuggler, das sind böse Menschen, die aus falschen Beweggründen mit krimineller Energie Menschen auf einen gefährlichen Weg schicken, und in der Folge sterben Menschen. Aber der Grund, warum wir uns hier heute treffen, ist ja nicht, dass die Schmuggler die Menschen losschicken – das passiert seit Jahrzehnten –, sondern der Grund ist, dass Seenotrettungsfälle nicht mehr gerettet werden, obwohl wir sie hätten retten können. So geschehen am Samstag, z. B. morgens um zwei Uhr, halb drei rufen Menschen schreiend an, weil sie untergehen, rufen Menschen schreiend an und finden niemanden, der ihnen Hilfe schickt. Über 30 Stunden wird in internationalen Gewässern keine Hilfe geschickt. Die IRINI-Mission hätte da sein können, die NGO-Boote hätten da sein können, wenn sie nicht in Italien blockiert wären. Die Frachtschifffahrt hätte da sein können und Menschen retten können, aber niemand hat ihnen den Auftrag gegeben, sie zu retten. Ich glaube, wenn wir ernst nehmen, was die europäischen Werte eigentlich sein sollen, wenn wir ernst nehmen, dass die Würde des Menschen auch auf dem Mittelmeer unantastbar sein sollte, dann können wir doch nicht länger einfach immer nur mit dem Finger auf die Schmuggler zeigen, nach jedem Unglück, noch bevor die Leichen geborgen sind, so tun, als seien immer die anderen schuld, sondern dann müssen wir endlich anfangen, auch den Kern der Debatte so ernst zu nehmen, dass wir sagen: Wenn jemand in Seenot ist, dann schicken wir Rettungsboote und retten diese Menschen, ganz egal, woher sie kommen und aus welchem Grund sie in Seenot sind. Dass das nicht passiert, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist eine europäische Schande, eine Schande, für die wir uns schämen sollten. Ich hoffe, dass wir nicht bei schönen Worten bleiben, sondern dass wir endlich anfangen zu handeln. Ansonsten müssen wir einfach davon ausgehen, dass uns die folgenden Generationen für das, was wir hier tun, für wirklich abgrundtief böse halten.
Europäische Initiative zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, damit europäische Freiwillige geschützt und besser unterstützt werden (Aussprache)
Datum:
16.02.2023 14:11
| Sprache: DE
Herr Präsident, Herr Kommissar! Vielen Dank auch an die anderen, die da sind. Ich habe jetzt zweieinhalb Minuten Zeit, so viel Zeit hat man selten. Also wenn man Donnerstagnachmittag hier redet, dann kann man richtig lange reden, dann kann man sich fast überlegen, was man mit der ganzen Zeit anfängt. Aber zurück zum Thema. Ich möchte eingangs sagen, dass das Ehrenamt ja sehr viele Facetten hat. Ich glaube, der Grund, warum wir hier heute reden, ist vor allem in Bezug auf die Freiwillige Feuerwehr. Aber wenn wir uns überlegen, wie wir das zivilgesellschaftliche Engagement in Europa stärker fördern können und wie wir auch diejenigen, die sich engagieren, besser unterstützen können, dann müssen wir uns klarmachen, dass auch im Sport, auch in der humanitären Hilfe, in den Kirchen und bei der Freiwilligen Feuerwehr viele Menschen engagiert sind, und man könnte noch viele weitere Dinge erzählen. In vielen EU-Staaten ist es so, dass diese EU-Staaten auf das freiwillige Engagement wirklich angewiesen sind. Das ist in Teilen eben – und das haben wir jetzt auch in dem Matzak-Urteil von 2018 gesehen – so, dass sich dann Abgeordnete auch Sorgen machen: ist das nicht so, dass die Maximalarbeitszeit dann überschritten wird, dass man freiwilliges Engagement beschränkt. Aber ich würde sagen, also eigentlich muss dieses freiwillige Engagement auch immer freiwillig bleiben. Das zählt ja nur als Arbeitszeit, weil offenbar dann innerhalb von acht Minuten reagiert werden muss, wenn man bei der Freiwilligen Feuerwehr ist. Ich war selber in der Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland, da ist es anders geregelt. Man versucht einfach, so viele Leute im Pool zu haben, dass es immer genug Zeit gibt, dann auch auf Notrufe reagieren zu können. Und falls das nicht der Fall ist, dann kommt eben die Berufsfeuerwehr, was im Zweifelsfalle etwas länger dauert. Ich glaube, dass es jetzt – und da reichen auch zweieinhalb Minuten nicht – schwer wäre, das im Detail zu diskutieren. Deswegen denke ich, dass die Initiative zur Förderung des freiwilligen Engagements sehr wichtig ist. Und ich glaube, es gibt noch ein paar andere Ideen, die man zum Beispiel im Bereich der Freiwilligen Feuerwehr angehen kann. Es ist für viele, auch kleinere, Organisationen, die sich bei Waldbränden dann international engagieren wollen, gar nicht so leicht, eine Registrierung zu bekommen – hier kann man dran arbeiten. Auch beim Katastrophenschutz kann man gucken, wie man auch Civil Protection Mechanism, freiwilliges Engagement noch stärker berücksichtigen, kleineren Organisationen einfacher Zugang geben kann. Es ist aber auch so, dass wir überlegen könnten: Können wir nicht eine europäische Freiwillige Feuerwehr gründen, sodass viele unterschiedliche Geräte in unterschiedlichen Mitgliedstaaten sind? Und in Katastrophenfällen wäre es hilfreich, wenn man die Möglichkeit hätte, dass schon ausgebildete Leute zum Beispiel aus Deutschland nach Griechenland kommen, die schon mit den Gerätschaften vertraut sind und die dann zusätzliche Schichten durchführen müssten. Da muss man gar kein großes Gerät verschiffen, sondern kann einfach Personen dorthin bringen, die sich freiwillig engagieren. Und hier mehr europäische Vernetzung zu haben, wäre sicherlich hilfreich.
Schlussfolgerungen des Europäischen Rates: Das Erfordernis einer raschen Finalisierung des Fahrplans (Aussprache)
Datum:
15.02.2023 16:47
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Ich habe das Dokument des Rates gelesen, und eigentlich ist mir sofort in den Kopf gekommen, dass Abschreckung und Abschottung doch seit Jahren das Chaos erzeugen, das sie vorgeben zu bekämpfen. Ich glaube, dass wir einfach aufhören sollten – und das ist mir auch bei dem Dokument aufgefallen –, die Verantwortung für die Zukunft unseres Asylsystems hinter Mauern zu verstecken. Man wird am Ende die Menschen nicht alle abschieben können. Acht von zehn Geflüchteten, die gerade im letzten Jahr gekommen sind, kommen aus der Ukraine. Warum reden wir nur über Abschottung, nicht darüber, wie wir schneller dafür sorgen können, dass sie Teil der Gesellschaft werden? Ich glaube aber auch, dass wir aufpassen müssen, dass wir die Verantwortung für die aktuelle Situation, die wir haben, nicht hinter einer Mauer aus Lügen verstecken. Es wird immer behauptet, wir haben offene Grenzen – wir haben keine offenen Grenzen. Im Gegenteil, wir haben tausende Tote an den Grenzen jedes Jahr und noch zehntausende, die illegal gepushbackt werden. Wir tun so, als könnten wir die Menschen an den Außengrenzen nicht registrieren und nicht überwachen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wir schicken Frontex ja sogar weg, zum Beispiel in Griechenland, weil sie zu viele Menschenrechtsverletzungen beobachtet haben. Ich glaube, wenn wir nicht endlich anfangen, unsere eigenen Gesetze achten zu wollen, dann müssen wir eigentlich auch nicht so viel über neue diskutieren. Ich denke, dass wir vor allem aufpassen sollten bei allen Detailfragen, dass wir das Europa, das wir gerade in der Asylpolitik sehen, der nächsten Generation nicht so überlassen, dass wir uns für unsere Politik bei unseren Nachkommen schämen müssen.
Programm der Union für sichere Konnektivität 2023-2027 (Aussprache)
Datum:
13.02.2023 21:27
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Ich habe mir den Entwurf des Legislativberichts durchgelesen. Und man verliert ja manchmal, wenn man so die Artikel sieht und die Details sich anschaut – und da finde ich auch toll, dass so intensiv verhandelt wurde und offenbar ja auch eine breite Mehrheit im Europäischen Parlament dafür sein wird –, da verliert man manchmal so ein bisschen den Blick für das Große. Und ich glaube, dass bei diesen Weltraumfragen – der Weltraum ist ja selbst recht groß –nicht untergehen darf, dass wir zum Beispiel auch mit Blick auf diejenigen, die vor uns schon den Weltraum erkundet haben, damit auch immer große politische Ideen verbunden haben. Als John F. Kennedy 1962 seine Rede hielt, wo er sagte: We choose to go to the Moon – wir haben uns entschieden, zum Mond zu gehen –, da hat er ja nicht gesagt: Wir versuchen mal vielleicht im nächsten Jahrzehnt anzugehen, dass wir vielleicht auf dem Mond landen. Nein, er hat gesagt: Wir haben uns entschieden, zum Mond zu gehen. Und eigentlich finde ich auch an den Reden, die ich gerade gehört habe, diesen großen Gedanken sehr schön: Wir haben uns entschieden, dass wir auf diesem Politikfeld mitmachen, dass wir im Weltraum mitmachen und dass wir da auch versuchen, unsere ganz eigenen Akzente zu setzen. Das wollte ich Ihnen einfach mitteilen.
Weiterverfolgung der vom Parlament geforderten Maßnahmen zur Stärkung der Integrität der Organe, Einrichtungen und sonstigen Stellen der Union (Aussprache)
Datum:
13.02.2023 20:58
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Vielen Dank auch, dass wir die Debatte führen. Ich bin sehr dafür, dass wir schauen, welche Regeln wirksam sind und wie wir diese Regeln dann verschärfen können. Aber ich bin auch dafür, dass wir uns klarmachen, dass immer neue Regeln allein eben nichts helfen, wenn wir diese Regeln nicht durchsetzen. Ich sage noch etwas ergänzend: Manche Regeln müssen wir vielleicht auch noch einmal genauer betrachten. Es geht uns ja nicht darum, ob der Kollege dann zu Weihnachten dem anderen Kollegen mal eine Schokolade geschenkt hat. Irgendwann blickt man ja auch selbst nicht mehr durch, was nun alles eventuell Probleme erzeugt und was nicht. Wir haben gerade über NGO-Transparenz gesprochen. Also, wenn Kollegen dann sagen, die NGOs müssen ins Transparenzregister, dann ist das richtig. Aber wenn die gleichen Kollegen – habe ich gerade noch einmal geschaut – seit einem Jahr ihre Treffen mit Lobbyisten nicht eingetragen haben, dann frage ich mich schon, ob das zur Integrität dieses Hauses beiträgt. Ich glaube auch, dass wir uns klarmachen müssen, dass man gegen wirklich kriminelle Energie nicht besonders viel machen kann, außer die Strafverfolgungsbehörden gut auszustatten. Ich glaube auch – wir reden ja über die EU-Institutionen allgemein –, dass es nicht hilfreich ist, wenn beispielsweise der Rat einfach nicht veröffentlicht, welcher Mitgliedstaat wie abstimmt. Ich will als Bürger wissen, wie meine Regierung abstimmt. Und ich glaube, dass wir da auch den Blick weiten müssen und schauen müssen, wie alle EU-Institutionen dazu beitragen können, dass wir das Vertrauen in die EU stärken und als Europäisches Parlament das Vertrauen dann auch zurückgewinnen.
Finanzmittel der EU für bei den jüngsten Korruptionsfällen beschuldigte NGOs und Schutz der finanziellen Interessen der EU (Aussprache)
Datum:
13.02.2023 20:13
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Vielen Dank, dass wir diese Debatte heute führen können. Ich glaube, zuallererst kann man erst einmal den NGOs danken. Wir hatten heute schon eine Diskussion über die schreckliche Situation in Nordsyrien, in der Türkei. Ja, wo würden wir eigentlich stehen, wenn wir hier nur das Geld beschließen würden und es dann keine Menschen geben würde, die diese schwere Arbeit machen, die auch so flexibel sind, die sich teilweise mit ganz viel freiwilliger Arbeit in diese grausamen Situationen begeben und versuchen, noch so viele Menschen wie möglich zu retten? Auf der einen Seite müssen wir, glaube ich, dankbar sein und sagen, also allein das Geld zu beschließen, wie schwach wären wir? Wir brauchen die Menschen, die das vor Ort umsetzen, sei es in der Ukraine, sei es in Nordsyrien, sei es in anderen Gebieten der Welt, wo wir ohne NGOs überhaupt nicht die Arbeit machen könnten, die so wichtig ist. Auf der anderen Seite ist es aber natürlich auch so, dass die Transparenz bei der Finanzierung mit EU-Mitteln sehr, sehr wichtig ist. Und ich würde mir wünschen, dass wir da eben nicht nur über die NGOs reden, sondern über Kommissionsfinanzierung allgemein. Ich glaube, dass wir schauen müssen, wie wir auch diese Debatte so nutzen können, dass wir auf der einen Seite möglichst viel Transparenz haben, auf der anderen Seite aber dann eben auch bürokratische Hürden immer wieder hinterfragen. Wir haben jetzt gerade die Situation, dass zum Beispiel einige NGOs in Nordsyrien nicht gut agieren können, weil dort Hürden sind, wo man sich auch wieder fragen muss: Also mehr Transparenz, mehr Anforderungen sind nicht immer perfekt. Ich glaube aber, dass wir auf der anderen Seite eben auch sagen müssen: Also schön, dass wir alle an der Transparenzfront sind. Wir können uns darauf einigen, und wir wollen wissen: Wo wollen NGOs Einfluss nehmen? Wer bezahlt eigentlich Geld für die NGOs? Wofür wird das Geld ausgegeben? Ich würde mir aber auch wünschen, dass, wenn man diese Fragen so wichtig findet bei der Finanzierung mit EU-Geld, dass man es dann auch wichtig findet, wenn zum Beispiel Abgeordnete, die ja auch mit NGO-Geld finanziert werden, sagen: Wofür wird das Geld in der NGO eigentlich ausgegeben, wer bezahlt eigentlich die Nebeneinkünfte, wie viele genau, und wo versuchen NGOs, auch auf die Abgeordneten Einfluss zunehmen? Das wäre mir wichtig, dass wir da auch konsequent bleiben.
Vorgehen der EU angesichts der humanitären Lage nach den Erdbeben in der Türkei und in Syrien (Aussprache)
Datum:
13.02.2023 17:29
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Kinder, die ihre Eltern nie wiedersehen werden, Frauen, die ihre Söhne betrauern, und ein Mann, der die Hand seiner verstorbenen Tochter einfach nicht mehr loslassen will. Die Bilder, die man in diesen Tagen sieht, und vor allem die Schicksale dahinter, sind verstörend, tragisch, und eigentlich machen sie sprachlos. Und auch wenn wir wissen, dass nicht alles gut gelaufen ist bei der Hilfe, glaube ich, dass wir schon feststellen müssen, dass wir als Europäische Union versucht haben, schnell zu helfen. Dafür auch danke, Herr Kommissar Lenarčič. Man kann nur hoffen, dass die Geberkonferenz jetzt erfolgreich ist. Aber ich glaube auch, dass Geld zu beschließen alleine eben nicht das Einzige ist. Die Hilfe muss am Ende auch ankommen. Und dafür brauchen wir gemeinsamen Druck gegen Grenzschließungen und Mittelmissbrauch. Aber wir müssen auch Wege finden, kleinere Organisationen wie die Weißhelme zu unterstützen. Ich glaube aber auch, dass wir nicht allen Menschen in der Region helfen können – das wissen wir, glaube ich, selbst. Und ich kann mir vorstellen, dass es sehr wichtig wäre, jetzt auch zumindest für diejenigen Opfer, die Familie in Europa haben, schnell Visa auszustellen. Was spricht denn dagegen, dass Menschen aus Nordsyrien oder der Türkei, die Familie hier haben, von der Familie versorgt werden können, bis sie dann wieder ein Dach über dem Kopf haben und zurück können? Ich glaube, das wäre ein Zeichen der Stärke, und wir wären sehr schwach, wenn wir Angst vor den Opfern dieser Katastrophe hätten.
Ausführungen von einer Minute zu Fragen von politischer Bedeutung
Datum:
01.02.2023 18:23
| Sprache: DE
Herr Präsident! Ich wollte darauf eingehen, dass es inzwischen ja so normal geworden ist – besonders auf der rechten Seite des Parlaments –, dass man einfach behauptet: Schuld daran, dass Menschen über das Mittelmeer fliehen, sind eigentlich die Hilfsorganisationen, die Menschen aus Seenot retten. Das ist so normal geworden, dass man es nicht mal mehr begründet. Es gibt auch gar keine Argumente dafür, aber man behauptet einfach, schuld an der Flucht über das Mittelmeer sind die NGOs. Die sind daran schuld, dass Menschen ertrinken. Und es fällt kaum noch auf, dass nie ein Argument kommt. Deswegen wollte ich noch einmal ganz kurz anmerken, dass es einfach keinen Sinn macht, das immer wieder zu behaupten. Diese NGOs haben sich erst gegründet, nachdem so viele Menschen ertrunken sind. Es gibt viele Studien, die belegen, dass die NGOs nicht dazu beitragen, dass mehr Schiffe ablegen. Und es ist, auch wenn man sich die Zahlen letztes Jahr 2022 anguckt, einfach so – und das kann man ja mal zur Kenntnis nehmen –, dass 90 Prozent der Menschen in Italien ankommen, indem sie entweder von der Küstenwache oder gar nicht gerettet wurden, sondern sie kommen selbstständig an. Nur etwas weniger als zehn Prozent der Menschen wurden von zivilen Seenotrettungsorganisationen gerettet. Es ist also gar nicht wichtig für die Menschen oder auch die kriminellen Schleppergruppen in Libyen. Dass die Menschen ablegen, liegt nicht daran, dass es NGOs gibt. Es ist einfach wichtig, dass wir diese Realität zur Kenntnis nehmen. (Der Präsident entzieht dem Redner das Wort.)
Lage in Afghanistan (Aussprache)
Datum:
01.02.2023 18:04
| Sprache: DE
Herr Präsident! In Afghanistan gibt es inzwischen 65 Prozent Arbeitslosigkeit, 90 Prozent der Menschen hungern und 20 Millionen Frauen – man hat es in den Reden davor ja gut beschrieben –, 20 Millionen Frauen in Afghanistan werden entrechtet und, man kann das auch sagen, ihrer Zukunft beraubt. Das ist wirklich grausam, wie die Taliban mit diesem Land umgehen, wie sie die Gesellschaft zum Spielball ihrer Ideologie machen. Und ich kann sagen: Ich glaube, es geht nicht nur mir so, sondern auch vielen anderen, die sich an der Debatte beteiligen, dass man sich eigentlich langsam hilflos fühlt. Was soll man denn noch machen, um endlich die Taliban zur Vernunft zu bewegen? Ich glaube, es ist richtig, dass man nach Hebeln sucht, aber ich glaube, es wäre falsch, zu einfache Hebel zu finden, zum Beispiel zu sagen, wir müssen jetzt bei der humanitären Hilfe kürzen, weil die Taliban so schlecht mit der Bevölkerung umgehen. Ich glaube, es ist wichtig, die humanitären Prinzipien aufrechtzuerhalten. Die humanitäre Hilfe darf nicht politisiert werden. Wir müssen aber auch nach anderen Ideen suchen. Eine Idee – ich glaube, die könnten wir einfach gemeinsam umsetzen mit der EU-Kommission, dem Parlament und den Mitgliedstaaten – ist, dass wir in den Nachbarländern Afghanistans vielen afghanischen Frauen und Mädchen Stipendien geben. Wir könnten ein Stipendienprogramm zum Beispiel in Tadschikistan, in Pakistan auflegen und damit, ich würde sagen, in den nächsten Jahren sogar Hunderttausenden Frauen und Mädchen eine Zukunft bieten, die sie in Afghanistan wahrscheinlich leider nicht bekommen.
Vorbereitung der außerordentlichen Tagung des Europäischen Rates im Februar, insbesondere das Erfordernis, dauerhafte Lösungen im Bereich Asyl und Migration zu entwickeln (Aussprache)
Datum:
01.02.2023 15:59
| Sprache: DE
Herr Präsident! Ich bin ehrlicherweise so ein bisschen ratlos, wenn ich die Beiträge von der rechten Seite des Parlaments zu diesem Thema höre, und zwar eigentlich auch schon seit Jahren. Es ist ja nicht neu, dass man jetzt vorschlägt, Zäune zu bauen, dass man sagt, wir müssen die Abschiebungen steigern, dass man sagt, wir müssen die Leute auf dem Mittelmeer dorthin bringen, wo sie hergekommen sind. Das sind ja alles keine neuen Ideen! Das erzählen diese Menschen auf der rechten Seite des Parlaments seit mindestens 20 Jahren, und die Konservativen regieren auch in vielen Ländern seit 20 Jahren, und trotzdem passiert nichts. Da frage ich mich: Liegt das vielleicht daran, dass Abschottung gar nicht die Lösung ist für unser Problem? Könnte ja sein. Es könnte ja sein, dass, wenn man vorschlägt, Leute nach Libyen zurückzubringen, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte einem das verboten hat, das dann am Ende gar nicht passiert. Ich meine, warum verwirren wir denn mit wirklich merkwürdigen Beiträgen immer wieder die Leute, statt ihnen klarzumachen, dass Migration Realität ist, Migration Realität sein wird – dass wir die Aufgabe haben, das alles zu managen, aber dass wir nicht mit irgendwelchen wilden Verschwörungstheorien verdecken sollten, dass wir seit Jahren scheitern, sondern dass wir unsere Aufgabe ernst nehmen sollten und jetzt wirklich zusammen anpacken? Und zwar nicht nur mit dem Migrationspakt, denn am Ende wird er nicht alle unsere Probleme lösen, sondern indem wir auch mal den politischen Willen, dieses Problem wirklich anzugehen, nach vorne stellen. Das fehlt mir ehrlicherweise bei vielen Beiträgen, die ich heute gehört habe.
Die Initiative „Global Gateway“ (Aussprache)
Datum:
19.01.2023 09:45
| Sprache: DE
Herr Präsident, Frau Kommissarin! Ich glaube, wir merken ja an der Debatte schon, dass wir uns alle eigentlich relativ einig sind im Parlament. Wir fühlen uns nicht so richtig mitgenommen, wollen aber eigentlich dazu beitragen, dass das Projekt erfolgreich ist, und ich glaube, wenn man dann auf der Homepage der Kommission guckt, erkennt man so ein bisschen, wo das Problem liegen könnte. Also auf der Homepage steht dann: „Global Gateway“. Das ist mit schönen Worten ausgeschmückt, aber im Wesentlichen steht dort: Es geht uns darum, bis zu 300 Milliarden Euro zu investieren – in Digitales, in Klimaschutz, in Energie, in Verkehr, in Gesundheit, in Bildung und Forschung –, und dabei beachten wir demokratische Werte, hohe Standards, Verantwortung, Transparenz, Partnerschaften auf Augenhöhe, die auch noch umweltverträglich und sauber sind. Aber welche Projekte sind das genau, um sich anzuschauen: Was passiert da eigentlich? Ist das mehr die Überschrift, versucht man hier mit schönen Worten etwas auszukleiden, was eigentlich eh schon passiert? Oder: Wo kann man denn eigentlich auch parlamentarisch kontrollieren? Das findet man auf der Homepage der Europäischen Kommission leider nicht, und das macht es etwas schwer, dann auch zu verstehen: Sind das eigentlich am Ende wirklich vor allem schöne Projekte, die dort sind, oder schöne Worte, die wir finden? Das ist natürlich dann am Ende etwas, wo man nicht nur im Parlament, sondern auch, wenn man mit der entwicklungspolitischen Community redet, einfach Sorgen erzeugt. Da gibt es viele Sorgen: Stehen denn jetzt die entwicklungspolitischen Ziele – nicht nur die Ziele, sondern auch die verbindlichen Ausgaben, die im Instrument „NDICI/Europa in der Welt“ für die Entwicklungspolitik in bestimmten Bereichen ausgegeben werden – noch im Vordergrund? Steht die Geopolitik im Vordergrund? Stehen finanzielle Interessen im Vordergrund? Ich glaube gar nicht, dass es darum geht, jetzt Widersprüche aufzumachen zwischen diesen verschiedenen Interessen. Aber ich denke, dass wir als Parlament eben davon getrieben sind, auch zu schauen: Wie können wir denn dafür sorgen, dass die Gelder dort ankommen, wo sie gebraucht werden – nicht nur da, wo sie am meisten Investitionen, ein großes, investitionsfreundliches Umfeld vorfinden? Wie schaffen wir es, dass diese Projekte nachhaltig sind? Ich denke, dass es ganz wichtig ist – wenn diese Initiative zum Erfolg führen soll –, dass wir mit der entwicklungspolitischen Community, mit dem Parlament, aber vor allem auch mit den Partnerländern gemeinsam dafür sorgen, dass das erfolgreich ist, und das, muss ich ehrlich sagen, fehlt mir momentan noch.
Kriminalisierung humanitärer Hilfe, darunter von Such- und Rettungseinsätzen (Aussprache)
Datum:
18.01.2023 18:28
| Sprache: DE
Herr Präsident! Wir sind ja eigentlich in der Politik, um die Realität schön zu machen, und nicht, um sie schönzureden. Und wenn wir uns die Realität an den Außengrenzen anschauen, dann ist sie nicht nur nicht schön, sondern einfach grausam. Es müsste uns eigentlich ja schon wütend genug machen, dass so viele Menschen an unseren Außengrenzen auf der Suche nach Sicherheit leiden und auch Tausende sterben. Aber die Realität ist noch viel schlimmer: Mehrere EU-Staaten an den Außengrenzen helfen nicht nur nicht genug, sondern sie behindern, sie kriminalisieren und hetzen auch noch gegen diejenigen, die unsere Aufgabe machen und Menschen in Not helfen wollen. Was ist das denn für ein Europa, in dem man sich der realen Gefahr ausgesetzt sieht, für Seenotrettung ins Gefängnis zu kommen? Was ist das für ein Europa, in dem man sich verstecken muss, um Menschen Suppe zu geben, die Hunger haben, oder Menschen eine Decke, die frieren? Genau das passiert an unseren Außengrenzen jeden Tag. Und warum passiert das? Weil die Menschen leiden sollen. Das ist Teil einer Abschreckungsstrategie. So ehrlich müssen wir schon sein, das ist kein Zufall. Diese Abschreckungsstrategie, die ist ein direkter Angriff auf unseren Rechtsstaat. Wenn es weiterhin stärker bestraft wird, Menschen nur zu helfen, statt sie leiden zu lassen, dann können wir eigentlich auch gleich moralische Insolvenz anmelden.
Die humanitäre Lage in der Ukraine aufgrund der Angriffe Russlands auf kritische Infrastruktur und zivile Bereiche (Aussprache)
Datum:
15.12.2022 09:32
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Frau Kommissarin! Das, was wir für die Ukraine tun, das ist ja nicht nichts – das wissen wir, glaube ich, alle. 18 Milliarden Euro, die am Montagfreigegeben wurden, das ist ein hoher Betrag. Aber das, was die Ukrainerinnen und Ukrainer seit dem 24. Februar bezahlen, ist ein so unendlich viel größerer Preis für unsere Freiheit, dass wir, glaube ich, allen Grund dazu haben. zu schauen: Was können wir als Europäische Kommission, was können wir als Europäisches Parlament, aber was können wir auch als Mitgliedstaaten der Europäischen Union tun, damit dieser Kampf für die Freiheit am Ende erfolgreich ist? Es sind schon 4,8 Millionen Menschen, die in den EU-Staaten Zuflucht gefunden haben. Ich glaube, im letzten Jahr hätte niemand gedacht, dass wir so viele Geflüchtete aufnehmen können. Aber wir müssen auch damit rechnen, dass in diesem Winter natürlich mehr Menschen aus der Ukraine fliehen, und wir müssen uns darauf auch vorbereiten. Ich sehe in keinem der Mitgliedstaaten eine ernsthafte Vorbereitung darauf, dass noch einige Millionen Menschen kommen, und es sind ja nicht nur Menschen aus der Ukraine, die Zuflucht in der Europäischen Union finden müssen. Ich glaube, wenn wir uns angucken, wie pervers dieser Angriff auch auf die zivile Infrastruktur in der Ukraine stattfindet, dann ist es auf der einen Seite wichtig, dass wir gucken müssen: 1,5 Millionen Menschen in Odessa, aber insgesamt 10 Millionen Menschen, die in der Ukraine momentan keinen Strom haben. Wie können wir mehr Generatoren liefern? Wie können wir mehr Räumwerkzeug liefern? Wie können wir bei der humanitären Hilfe mehr tun? Aber ich möchte auch sagen, dass all die humanitäre Hilfe am Ende Putin nicht aufhalten wird. Es ist auch ein humanitärer Akt, genügend Waffen in die Ukraine zu schicken, damit die Drohnen abgeschossen werden können, damit die Raketen abgeschossen werden können, damit dafür gesorgt werden kann, dass die Ukraine am Ende wieder eine freie, friedliche Demokratie sein kann. Ich glaube, diese Waffenlieferung ist das, was wir auch jetzt im Winter in den Vordergrund stellen müssen, ohne das andere nicht zu tun.
Die Berichte der Kommission über die Situation von Journalisten und die Auswirkungen der Rechtsstaatlichkeit (Aussprache)
Datum:
14.12.2022 17:21
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Herr Kommissar! Ich bin ehrlicherweise ein bisschen erschrocken über einige Reden – natürlich nicht über alle. Ich wollte deswegen sagen, dass Angriffe auf die Pressefreiheit nicht erst beginnen, wenn Journalistinnen und Journalisten ermordet werden oder bedroht werden, sondern aus meiner Sicht beginnt das schon, wenn wir anfangen, hier das Parlament zu nutzen, um über einige Berichte zu sagen: Das ist überhaupt keine freie Presse, das hat mit Pressefreiheit gar nichts zu tun. Und die anderen Berichte, die uns gefallen, die sind dann toll. Journalismus, Pressefreiheit, das muss uns nicht gefallen, soll uns nicht mal gefallen. Als Politiker ist es einfach wichtig, dass Presse uns auf die Finger schaut, dass Skandale aufgedeckt werden, dass die richtigen Konsequenzen gezogen werden, dass Journalismus bei der Meinungsbildung unterstützt. Ja, nicht jeder Bericht ist richtig, und ja, es gibt natürlich auch Organisationen, die versuchen, Presse auszunutzen oder zu kaufen. Aber mich stört, dass wir insgesamt hier eine breite Mehrheit für Pressefreiheit haben, wenn wir gefragt werden: Sind wir denn eigentlich alle für Pressefreiheit, dass es aber in der Praxis schon so ist, dass an den Außengrenzen zum Beispiel Presseberichte mit einmal als Fake News bezeichnet werden, dass mit einem Mal gesagt wird: Wir haben doch eigentlich überhaupt keine Notwendigkeit, dass Presse hier Zugang bekommt. All diese Einschränkungen von Pressefreiheit müssen wir angehen. Das ist unsere Aufgabe. Wir sollen die Pressefreiheit nicht beklatschen, sondern wir sollen sie durchsetzen.
Verdacht der Korruption aus Katar und die umfassendere Notwendigkeit von Transparenz und Rechenschaftspflicht in den Organen der EU (Aussprache) (Aussprache)
Datum:
13.12.2022 16:06
| Sprache: DE
Herr Präsident! Korruption ist Gift für die Demokratie, und das haben viele gesagt. Uns ist auch klar, dass das Europäische Parlament vergiftet wurde. Ich habe in diesen Tagen viele Gespräche geführt, und ich fand eigentlich sehr gut, dass es eine breite Mehrheit gab, die gesagt hat: Wir versuchen nicht einmal zu sagen, das ist das Problem von einigen Kriminellen, und wir haben damit nichts zu tun. Es gab auch wenige, die gesagt haben: Das ist das Problem einer Fraktion, und wir haben damit nichts zu tun. Ich glaube, das ist das Wichtigste, was wir gerade tun können, dass wir verstehen, dass zwar nur wenige an diesem Skandal Schuld haben, aber dass wir alle die Verantwortung haben, dass so etwas nie wieder vorkommt. Es muss natürlich Konsequenzen geben für Katar. Es muss aber auch das Verständnis geben, dass Katar nicht der einzige Staat ist, der die Demokratie angreift. Ich glaube, dass wir da auf der einen Seite gucken müssen: Wie können wir als Institution besser werden? Wie können wir mehr Transparenzvorschriften machen? Wie können wir aber auch schauen, dass diese Transparenzvorschriften dann eingehalten werden? Es gibt viele Abgeordnete, die keine Lobbytreffen angeben – nach drei Jahren nicht. Das muss sich morgen ändern. Es ist doch völlig klar. Da müssen wir nicht nur die Regeln ändern, sondern wir müssen eben auch schauen: Wie können wir sie durchsetzen? Wie können wir die Strafverfolgungsbehörden stärken? Wie können wir gemeinsam diese harte Aufgabe angehen, dass die Glaubwürdigkeit, die so zerstört ist, langsam wieder aufgebaut werden kann?
Verhandlungen vor der ersten Lesung des Parlaments (Artikel 71 GO)
Datum:
12.12.2022 16:37
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Ich habe in den letzten Tagen nicht nur mit denjenigen, die an diesem Fall gearbeitet haben, sondern auch mit vielen Kollegen aus verschiedenen Fraktionen geredet, und das war eine seltene Gemeinsamkeit. Wir alle – alle, mit denen ich gesprochen habe – waren schockiert von dem, was hier an Vorwürfen im Raum steht. Und alle waren sich einig, dass Korruption ein Angriff auf die Demokratie ist, dass Korruption auch harte Konsequenzen haben muss – harte Konsequenzen für die, die bestochen haben, harte Konsequenzen für die, die bestochen wurden, aber natürlich auch für die EU-Institutionen, die jetzt alles in ihrer Macht Stehende tun müssen, dass sich solche Vorgänge nicht wiederholen. In solch einer Situation können wir natürlich nicht zulassen, dass ein Staat, der potenziell unsere Demokratie angreift, eine Visaliberalisierung bekommt. Deswegen müssen wir erstens sicherstellen, dass dieser Prozess nicht beeinflusst wurde, wir müssen auch sicherstellen, dass wir die richtigen Konsequenzen ziehen. Wir müssen sicherstellen, dass wir jetzt nicht in Verhandlungen über eine Visaliberalisierung treten. Deswegen beantragen wir bei diesem Bericht nach Artikel 198 der Geschäftsordnung, den Bericht in den Ausschuss zurückzuüberweisen.
Die Menschenrechtslage in Afghanistan, insbesondere mit Blick auf die Verschlechterung der Frauenrechte und die Anschläge auf Bildungseinrichtungen
Datum:
23.11.2022 18:13
| Sprache: DE
Herr Präsident! Herr Kommissar, sehr gut, dass Sie anwesend sind, und auch sehr gut, dass wir diese Debatte führen, dass wir diese Entschließung haben, dass wir zeigen, dass wir das Leid der Menschen in Afghanistan nicht vergessen, und insbesondere auch, dass es uns auch nicht egal ist, wie wir in der Zukunft die Situation verbessern können. Wir müssen einfach schauen: Wie können wir auf der einen Seite die humanitäre Situation in Afghanistan verbessern? Wie können wir auf der anderen Seite aber auch klarmachen, dass die größte Gefahr für Afghanistan am Ende immer die Taliban bleiben? Wir sind uns ja einig, dass man den Menschen in Afghanistan helfen muss. Was mich ein bisschen besorgt, ist – in den Debatten der letzten Wochen –, dass wir auf der einen Seite mit den Menschen in Afghanistan fühlen, solange sie in Afghanistan sind; aber sobald sie aus dem Land fliehen, versuchen, auf sehr unsicheren Wegen mit irgendwelchen Schleppernetzwerken, irgendwelchen Mafias – weil es keine legalen Fluchtwege gibt – aus dem Land zu kommen, dann fehlt uns die Empathie, dann sind wir sehr groß darin, zu sagen, dass man die Balkanroute endlich schließen muss; eine der größten Gruppen sind ja Menschen aus Afghanistan. Ich würde mir wünschen, dass wir die Empathie, die wir in der Entschließung mit den Menschen in Afghanistan zeigen, auch mit den Menschen aus Afghanistan haben, wenn sie nicht mehr weiterwissen und fliehen müssen.