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Seit 1. Juli 2024| Rang | Name | Land | Fraktion | Reden |
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Alle Beiträge (86)
Vorbereitungen für das Gipfeltreffen EU-Indien (Aussprache)
Datum:
21.01.2026 16:19
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Frau Vizepräsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Indien ist die größte Demokratie der Welt mit 1,4 Milliarden Menschen. Indien ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, und wir Europäer teilen mit Indien viele gemeinsame Werte und Interessen. Deswegen müssen wir unsere Partnerschaft stärken und uns strategisch aufstellen. Ich hoffe sehr, nach den Erfahrungen heute Mittag bei der Abstimmung zum Mercosur, dass dieses Haus das auch entsprechend wertschätzt. Mit dem EU‑Indien‑Freihandelsabkommen könnten wir ein ganz starkes Signal für einen offenen und regelbasierten Welthandel senden. Gleichzeitig geht unsere Partnerschaft – und Frau Vizepräsidentin, Sie haben es aufgezeigt – ja weit über den Handel hinaus. Wir arbeiten künftig – das ist das Ziel – in Bereichen wie Technologie und Innovation sowie Sicherheit und Verteidigung zusammen. Die Zusammenarbeit mit Indien bei Cybersicherheit, bei der Terrorismusbekämpfung und in der Raumfahrt bietet gerade angesichts anhaltender Krisen und geopolitischer Spannungen große Chancen für uns, und unsere Zusammenarbeit wird konkret, wie ja die Sicherheits‑ und Verteidigungspartnerschaft nächste Woche auch zeigen wird. Ein zentraler Pfeiler unserer Zusammenarbeit werden auch die zwischenmenschlichen Beziehungen sein. Wenn wir den Austausch zwischen Inderinnen und Indern und uns Europäerinnen und Europäern stärken können, dann, glaube ich, ist das auch wichtig. Gerade im Bereich Bildung, Wissenschaft, akademische Kooperationen haben wir, glaube ich, noch großes Potenzial mit Indien. Zu einer strategischen Partnerschaft gehören allerdings auch offene Worte. Wir haben unterschiedliche Auffassungen, etwa mit Blick auf das Verhältnis zu Russland. Ich denke, hier ist es unsere Aufgabe, auch ganz offen und klar anzusprechen, was unsere Position ist, was wir uns von unserem strategischen Partner erwarten. Ohne offene Worte geht es eben in einer Partnerschaft grundsätzlich nicht. Aber ich glaube, wenn unser Dialog von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist – und daran wird ja nun seit Monaten gearbeitet –, dann hoffe ich, dass wir mit einem hoffentlich bald abschließenden Freihandelsabkommen und der strategischen Zusammenarbeit auch in anderen Bereichen ein gutes Signal aussenden. Und wie gesagt, ich hoffe, dass das Parlament das dann auch entsprechend unterstützen wird.
Erläuterung des Rechtsakts über digitale Netze (Aussprache)
Datum:
21.01.2026 15:26
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Frau Vizepräsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Was passiert, wenn unsere Netze ausfallen? Wenn keine Kommunikation mehr möglich ist? Wenn keine Daten ankommen? In einer vernetzten Welt ist die Antwort klar: Dann steht unsere Gesellschaft still. Genau deshalb müssen unsere Netze sicher, schneller und resilienter werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere kritische Infrastruktur von Unternehmen aus Drittstaaten betrieben wird, die uns im wahrsten Sinne des Wortes jederzeit das Licht ausschalten können. Damit gefährden wir unsere technische Souveränität. Frau Vizepräsidentin, ich begrüße es, dass Sie den Digital Networks Act jetzt vorgelegt haben. Er ist von entscheidender Bedeutung. Mit ihm legen wir den Grundstein für einen echten europäischen Binnenmarkt der Kommunikation. Unser Ziel ist klar: Wir müssen technologisch an der Spitze stehen. AI‑Cloudtechnologien sind die Innovation, die kommen muss. Unsere Netze müssen all die Möglichkeiten auch haben, und wir müssen uns sukzessive von unseren veralteten Kupfernetzen verabschieden und den Ausbau von Glasfaser, 5G und 6G entschieden vorantreiben. Wie wir das genau machen, darüber müssen wir noch diskutieren. Zudem müssen wir europäische Unternehmen stärken und Anreize schaffen, damit die Investitionen in unsere digitale Infrastruktur hier in Europa erfolgen. Und dazu brauchen wir einen Binnenmarkt. Es muss Schluss sein mit der Fragmentierung durch nationale Regeln. Wir müssen wegkommen von unterschiedlichen Vorgaben, von Doppelstrukturen und Bürokratie. Das bremst unsere Wettbewerbsfähigkeit. Das bremst den Netzausbau und das darf so nicht bleiben. Ich freue mich auf die Debatten und Diskussionen zu diesem Vorschlag, den Sie uns jetzt hier präsentiert haben. Ich hoffe, dass wir auch unsere Netzinfrastruktur so aufbauen, dass wir resilienter werden. In Zeiten wie diesen brauchen wir das mehr denn je.
Erläuterung des Rechtsakts zur Cybersicherheit (Aussprache)
Datum:
20.01.2026 14:43
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Frau Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Cyberangriffe werden immer ausgefeilter und zielen auf Datensysteme und Menschen in allen Lebensbereichen. IT-Infrastruktur wird gestört, Stromausfälle werden verursacht, es finden Angriffe auf unsere Energieversorgung, unsere Krankenhäuser, unsere Kommunikation, unsere Verkehrsinfrastruktur statt. Wenn wir heute über das Cybersicherheitspaket, über den Cybersicherheits-Act sprechen, dann sprechen wir nicht über Technik. Wir sprechen über unsere innere Sicherheit, wir sprechen über unsere wirtschaftliche Stabilität und wir sprechen über unsere geopolitische Handlungsfähigkeit. Der Cybersecurity Act von 2019, ein wichtiger Baustein unserer Cybersicherheitsstrategien der Europäischen Union, muss dringend überarbeitet werden, um den aktuellen technischen und geopolitischen Herausforderungen gerecht zu werden. Und deshalb, Frau Kommissarin, begrüße ich den Vorschlag, den Sie jetzt hier auf den Tisch gelegt haben, wirklich sehr. Warum ist unsere europäische Cybersicherheitsbehörde, warum ist die ENISA nicht schlagkräftig Stand heute? Es fehlt an Ressourcen, und zwar sowohl an finanziellen als auch an personellen Ressourcen. Und es fehlt an klaren Aufgaben und einem soliden Mandat. Die ENISA darf, aus meiner Perspektive heraus, nicht nur das Sekretariat der Mitgliedstaaten sein, sondern die ENISA muss auch operativ agieren können. Ich hoffe, dass wir das auch bei den Beratungen zum Cybersecurity Act durchsetzen können. Ich war bei den Beratungen 2019 mit dabei, auch federführend. Und auch damals hatten wir das schon gefordert, konnten uns aber gegenüber den Mitgliedstaaten nicht durchsetzen. Wir müssen uns auch die Zertifizierungsverfahren genauer ansehen, denn ich glaube, sie sind, Stand heute, nicht praxisgerecht. Zertifizierung muss schneller und einfacher werden, damit sie auch einen Mehrwert für unsere kleinen und mittleren Unternehmen hat. Zudem muss die Zertifizierung so gestaltet sein, dass sie auch für internationalen Standard sorgen kann, dass also unsere europäischen Standards auch die Chance haben, internationaler Standard zu werden. Und bei besonders sicherheitskritischer Infrastruktur heißt es: Sicherheit und europäische Souveränität an erster Stelle. Gleichzeitig dürfen wir uns aber natürlich auch global nicht abschotten. Ich freue mich auf den Austausch und die weiteren Beratungen zu diesem für uns in Europa so wichtigen Gesetzgebungsvorhaben.
Vorbereitung der Tagung des Europäischen Rates vom 18./19. Dezember 2025, insbesondere der notwendigen Unterstützung der Ukraine, der transatlantischen Beziehungen und der strategischen Autonomie der EU (Aussprache)
Datum:
17.12.2025 09:18
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Herr Kommissar! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Der kommende Gipfel ist ein historischer Gipfel. Sind wir als Europäische Union handlungsfähig? Werden wir unserer historischen Verantwortung gerecht? Ich glaube, genau darum geht es bei diesem Gipfel. Ich appelliere an die Staats- und Regierungschefs, sich diese Verantwortung für das europäische Projekt bewusst zu machen und nicht nationalstaatlich zu denken, und da bin ich beim Kollegen Gerbrandy, der das eben auch noch einmal thematisiert hat. Was heißt das konkret? Die weitere Finanzierung der Ukraine muss unbedingt gelingen. Es geht nicht nur um die Ukraine, es geht um unser aller Sicherheit. Was heißt das konkret? Wir brauchen grünes Licht für Mercosur mit den vorgeschlagenen Sicherheiten für unsere Landwirtinnen und unsere Landwirte. Was heißt das konkret? Wir müssen offen sein für strukturelle Veränderungen in unserer europäischen Architektur. Ich freue mich sehr, dass unser Fraktionsvorsitzender Manfred Weber das heute angesprochen hat. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wenn wir so weitermachen wie bisher, wenn nur mit Einstimmigkeit im Rat, gerade in der Außenpolitik, Beschlüsse gefasst werden, wie soll das in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weitergehen? Ich glaube, nächstes Jahr, 2026, muss wirklich auch das Jahr sein, wo wir uns wirklich mal die Mühe machen, hier diese strukturellen Reformen anzugehen. Wir haben im Jahre 2016 ein Referendum in Großbritannien gehabt, ein großes Drama danach. Wir haben Runden um Runden diskutiert, wie wir unsere europäische Architektur verbessern. Nichts ist passiert. Wir hatten keine Chance, obwohl wir als Parlament immer gefordert hatten, auch endlich mal einen Konvent einzurichten und diese so dringenden Fragen für unsere Zukunft in Europa zu diskutieren. Nichts ist passiert. Und ich bitte euch alle wirklich im neuen Jahr: Lasst uns das gemeinsam angehen. Für heute: Frohe Weihnachten, einen guten Rutsch ins neue Jahr und lasst uns auch viel gemeinsamen europäischen Geist im neuen Jahr zusammen erleben!
Erläuterung des Automobilpakets (Aussprache)
Datum:
16.12.2025 18:15
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Herr Kommissar! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Die Kommission hat die CO2-Gesetzgebung aufgemacht, auch für den Schwerlastverkehr. Das ist in meinen Augen eine gute Botschaft. Aber sieht der Vorschlag wirklich Technologieneutralität vor? Sichert er uns wirklich Arbeitsplätze in Europa? Allein in meiner Heimat, in Bayern, arbeiten über 350 000 Menschen in der Automobil- und Zulieferindustrie. Schauen wir uns den Markt an. Es werden immer mehr Elektrofahrzeuge verkauft. Der Neuzulassungsanteil von E-Fahrzeugen steigt kontinuierlich. Und warum? Weil der Kunde entscheidet. Es kann doch nicht Aufgabe des Gesetzgebers sein, zu entscheiden, welche Technologie die richtige Technologie ist. Innovation entsteht durch Wettbewerb, entsteht durch Anreize, durch gute Angebote, durch die vorhandene Ladeinfrastruktur, nicht durch politische Vorgaben. Und wir dürfen auch den globalen Markt nicht ausblenden. In vielen Regionen der Welt dominieren weiterhin Verbrenner. Es muss auch hier möglich sein, dass Fahrzeuge aus Europa gekauft werden. Deshalb ist die vorgesehene Elektrifizierungsquote gerade für die corporate fleet in meinen Augen vollkommen inakzeptabel. Das wäre ein Verbrennerverbot durch die Hintertür. Es besteht noch erheblicher Nachbesserungsbedarf im Gesetzgebungsverfahren.
Programm für die europäische Verteidigungsindustrie und Rahmen für Maßnahmen zur Gewährleistung der zeitnahen Verfügbarkeit und Lieferung von Verteidigungsgütern (EDIP) (Aussprache)
Datum:
25.11.2025 09:18
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Herr Kommissar, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Die Entwicklungen in der Ukraine zeigen uns jeden Tag, wie wichtig es ist, dass wir in der Verteidigung europäisch denken, europäisch planen, handeln, dass wir gemeinsam beschaffen, und dass wir alle möglichen Synergien nutzen. Ein Programm für die europäische Verteidigungsindustrie – EDIP – aufzulegen, war längst überfällig. Wir wissen, dass das Volumen überschaubar ist, aber es zeigt, dass wir jetzt endlich in Europa gemeinsam marschieren. Und wir haben ja auch nicht nur dieses Programm, sondern wir haben eine Vielzahl von weiteren Initiativen, um uns und die Ukraine gemeinsam zu verteidigen. Wir arbeiten daran, den Binnenmarkt für Rüstungsgüter zu realisieren. Wir arbeiten daran, die vielen noch bestehenden Hindernisse abzubauen. Wir entwickeln gemeinsame Projekte. Wir arbeiten zusammen im Weltraum, im Kampf gegen Cyberattacken. All das ist gut und – ich möchte es betonen – Kleinstaaterei, so wie wir das über viele Jahre jetzt hier erleben, jeder macht sein Ding, diesen Ansatz können wir uns in der Verteidigung nicht mehr leisten. Wir brauchen eine europäische Verteidigungsunion!
Arbeitsprogramm der Kommission für 2026 (Aussprache)
Datum:
21.10.2025 14:36
| Sprache: DE
Herr Präsident, Herr Vizepräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Arbeitsprogramm der Kommission für 2026 steht unter dem Motto „Abhängigkeiten reduzieren, Europa als Standort stärken und Wirtschaften einfacher machen“. Gerade Letzteres ist dringend notwendig. Vereinfachung ist das Gebot der Stunde. Von den 38 vorgeschlagenen Initiativen haben knapp die Hälfte das Ziel, spürbar Bürokratie abzubauen. Und, Herr Vizepräsident, das begrüße ich außerordentlich. Denn die letzten Jahre bin ich mir auch hier im Europäischen Parlament wie eine Tennisspielerin vorgekommen, die auf dem Platz steht und beim Training von einer Ballmaschine beschossen wird. Die Ballmaschine war die Kommission, die gefühlt ununterbrochen mit neuen Vorgaben um sich geschossen hat. Diese Zeiten sind jetzt Gott sei Dank endgültig vorbei. Ich möchte drei Sachen besonders hervorheben, die mir sehr wichtig sind: erstens das 28. Regime. Ich finde es gut, dass künftig ein neuer Rechtsrahmen angeboten werden soll, eine neue Rechtsform, um unseren Unternehmen das Arbeiten, das Rolling Out im Binnenmarkt zu erleichtern. Ich finde zweitens, dass der Kommission mit ihrem Verteidigungspaket ein richtig wuchtiger Aufschlag geglückt ist – Gratulation hierzu. Und drittens, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Ausrichtung der politischen Agenda auf Innovation, auf Forschung, auf Hightech, das Etablieren eines Scaleup-Europe-Fonds, all das sind gute Initiativen, die ich sehr begrüße.
Zukunft der Automobilindustrie in Europa – Aufhebung des Verbots des Verkaufs von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren in der EU (Aussprache über ein aktuelles Thema)
Datum:
08.10.2025 12:36
| Sprache: DE
Herr Präsident, Herr Kommissar, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Das Verbrennerverbot für Neuwagen ab 2035 ist eine Sackgasse – eine Sackgasse, die mit massivem Stellenabbau, der Überschwemmung des Marktes mit chinesischen Fahrzeugen und dem Sterben eines ganzen Industriezweiges verbunden ist. Allein in Deutschland, in meinem Heimatland, haben wir im letzten Jahr 50 000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie verloren. Wenn man den Prognosen Glauben schenkt, was ich tue, dann wird mit Blick auf die gesamte Lieferkette die Situation so sein, dass bis 2040 an die 300 000 Arbeitsplätze hier verloren gehen. Das Verbrennerverbot greift einfach zu kurz. Wir müssen auf Technologieoffenheit setzen, denn nur so bleiben wir wettbewerbsfähig und können flexibel auch auf künftige Entwicklungen reagieren. Unsere Industrie braucht Rahmenbedingungen, die Forschung und Entwicklung aller Antriebstechnologien fördern – ob es nun der Verbrenner ist, ob es die Elektrofahrzeuge sind, Hybridfahrzeuge, E‑Fuels oder Wasserstoff. Ich bitte wirklich alle, liebe Kolleginnen und Kollegen, den Ernst der Lage endlich zu erkennen. Ich erkenne an, dass die Revision der Emissionsstandards jetzt zeitnah erfolgen soll, Herr Kommissar, und dass auch ein Automobil-Omnibus geplant ist. Das ist alles gut und richtig. Aber gleichzeitig steht immer noch die Initiative zur Ökologisierung von Unternehmensflotten im Raum. Ich glaube, das wäre ein Verbrennerverbot durch die Hintertür. Das dürfen wir weder der Industrie noch den Arbeitsplätzen, die gerade an der Automobilindustrie hängen, zumuten. Deshalb bitte ich wirklich: aufwachen und die notwendigen Korrekturen vornehmen. Das Aus für den Verbrenner muss weg!
Neue Strategische Agenda EU-Indien (Aussprache)
Datum:
07.10.2025 18:35
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Indien ist nicht nur ein faszinierendes Land, sondern für uns Europäer auch künftig ein ganz, ganz wichtiger strategischer Partner. 1,4 Milliarden Menschen, die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, ein demokratisches System: All das spricht dafür, dass wir unsere Beziehungen mit Indien intensivieren. Deshalb begrüße ich die neue strategische Agenda. Ich hoffe sehr und wünsche der Kommission auch sehr, sehr viel Glück, dass bis Ende des Jahres das Freihandelsabkommen unterzeichnet werden kann. Und ich glaube, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen auch in anderen Bereichen noch die Zusammenarbeit intensivieren: im Bereich Technologie und Fortschritt, im Bereich Sicherheit und Verteidigung, im Luftverkehrsbereich. All das ist angedacht, und das ist gut so. Und lassen Sie mich auch sagen: Strategische Partner, Freunde können auch offene Worte miteinander finden, können auch schwierige Themen ansprechen. Kollegen haben es ja schon aufgegriffen: Indiens Verhältnis zu Russland, zu Belarus, die Frage der Menschenrechte – all das sind Themen, die wir natürlich auch aufgreifen müssen, gerade wir im Europäischen Parlament. Aber nichtsdestotrotz: Das Wichtigste ist erst mal, hier eine enge strategische Kooperation auf die Reihe zu kriegen. Und dann können wir auch einen offenen, intensiven Austausch und Diskurs führen, gerade auch über die Themen, die für uns besonders wichtig sind.
Vorstellung des Tätigkeitsprogramms des dänischen Ratsvorsitzes (Aussprache)
Datum:
08.07.2025 09:47
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Herr Vizepräsident, Herr Kommissar, Frau Ministerpräsidentin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Worauf kommt es jetzt an? Europa muss für die Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger sorgen. Wir müssen unsere Verteidigungsfähigkeit sicherstellen. Wir müssen die Ukraine weiter verteidigen. Wir müssen gegen illegale Migration vorgehen, und unsere Unternehmen müssen entlastet werden. Wir müssen Bürokratie abbauen, unseren europäischen Standort stärken, uns gute Rahmenbedingungen schaffen, damit die Arbeitsplätze bei uns hier in der Europäischen Union bleiben. Natürlich müssen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit Hand in Hand gehen. Um all das will sich in den nächsten sechs Monaten die dänische Ratspräsidentschaft kümmern. Verehrte Frau Ministerpräsidentin, Ihnen und Ihrem ganzen Team wünsche ich gutes Gelingen, wünsche ich eine glückliche Hand bei Ihrer Ratspräsidentschaft und kann auch – wie meine Kollegen aus der Fraktion – nur gute Zusammenarbeit mit der EVP anbieten. Gerne würde ich ein Thema noch einmal ansprechen, das Sie auch prioritär angehen wollen, das ist das Thema Entlastung, Bürokratieabbau. Ich wünsche mir sehr, dass der erste Omnibus, das erste große Entlastungspaket noch unter Ihrer Ratspräsidentschaft unter Dach und Fach kommen kann. Wir brauchen eine massive Entlastung unserer mittelständischen Betriebe. Der erste Omnibus zur Nachhaltigkeit ist ja noch unter der polnischen Ratspräsidentschaft weitestgehend beraten worden. Also viel Glück, und ich hoffe sehr, dass es Ihnen gelingt, wirklich das zuzumachen. Das ist das Signal, was gerade unsere Betriebe brauchen, dass wir es ernst meinen mit dem Bürokratieabbau.
Bevorstehender NATO-Gipfel vom 24. bis 26. Juni 2025 (Aussprache)
Datum:
18.06.2025 08:30
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Frau Vizepräsidentin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Die NATO ist und bleibt der zentrale Pfeiler unserer Verteidigung hier in Europa und darüber hinaus. Von dem NATO‑Gipfel in Den Haag muss ein Signal der Stärke und des Zusammenhalts ausgehen. Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Wir müssen unsere Verteidigungsfähigkeit stärken und unsere Fähigkeiten weiter massiv ausbauen. Wir müssen in Rüstungsgüter, in Infrastruktur, in den Zivilschutz, in Cybersicherheit investieren und unsere eigene Produktion auch hier in Europa hochfahren. In den vergangenen Monaten hat die Europäische Union dazu viel in Bewegung gesetzt. Das Programm SAFE, gemeinsame Produktion und Beschaffung, Finanzierung von Flaggschiffprojekten wie ein eigenes Luftverteidigungsshield sind angestoßen worden. Wir brauchen auch einen europäischen Markt für Rüstungs‑ und Verteidigungsgüter; der Markt ist heute noch total fragmentiert, das gefährdet letztendlich das Leben unserer Soldatinnen und Soldaten und kostet Milliarden. Auch hierfür liegen die Vorschläge auf dem Tisch. Ich hoffe sehr, dass dieses Signal der Stärke und des Zusammenhalts in Den Haag ausgesendet wird.
Entscheidung für Europa als Wissenschaftsstandort (Aussprache)
Datum:
22.05.2025 07:38
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Europa ist ein hervorragender Standort für Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Die Freiheit der Lehre, der Forschung, der Wissenschaft ist für uns in Europa ein ganz hohes Gut. Dafür zu werben und Anreize zu setzen, dass Talente nach Europa kommen, ist genau das Richtige. Ich begrüße das neue Förderprogramm für Spitzenforschung, Spitzenforscher und internationale Talente. Ich begrüße diese Superfinanzhilfe für den Europäischen Forschungsrat. Ich begrüße die bessere finanzielle Ausstattung für Marie-Curie-Stipendien. Das alles, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, sind doch hervorragende Initiativen, und sie helfen auch, eben unseren Standort noch weiter attraktiv zu machen. Woran wir wirklich noch arbeiten müssen, ist, dass wir hier auch die Rahmenbedingungen für die Talente, die nach Europa kommen, erleichtern. Ich höre aus der Wissenschaftscommunity, dass es immer noch Riesenprobleme in den Mitgliedstaaten bei der Erteilung von Visa gibt, dass es beim Start schwierig ist – auch in dieser neuen Umgebung. Das ist jetzt nicht in erster Linie Aufgabe der Kommission, aber vielleicht kann man doch auch darauf hinwirken, dass die Talente, die zu uns nach Europa kommen wollen, sich hier auch wirklich willkommen fühlen. Und das beginnt damit, dass wir bei der Visaerteilung Erleichterungen schaffen.
Einheitliche Reaktion der EU auf die ungerechtfertigten US-Handelsmaßnahmen und globale Handelsmöglichkeiten für die EU (Aussprache)
Datum:
06.05.2025 08:37
| Sprache: DE
Herr Präsident, Herr Vizepräsident, Herr Minister, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! US‑Zölle treffen unsere Unternehmen ins Mark. Die Vereinigten Staaten sind unser wichtigster Handelspartner, und viele Arbeitsplätze hängen hier in der Europäischen Union am Export. Wenn die US‑Administration einseitig unberechtigt Zölle verhängt und uns damit letztlich den Zollkrieg erklärt, müssen wir entschlossen und vor allen Dingen gemeinsam handeln. Ich finde, dass die Kommission richtig reagiert hat – besonnen: Sie haben nicht sofort Gegenzölle verhängt, Sie waren immer zum Dialog bereit, für Verhandlungen offen, haben hart verhandelt. Aber die Kommission hat sich auch vorbereitet, Gegenmaßnahmen zu verhängen, sofort zu reagieren, falls die Zölle scharf gestellt werden. Ich denke, es ist wichtig, daneben auch neue strategische Partner zu finden. Auch da muss ich der Kommission ein Kompliment aussprechen. Sie sind in der ganzen Welt unterwegs: Mercosur‑Abkommen ist abgeschlossen worden, mit Indien wird verhandelt, mit den ASEAN‑Staaten, mit afrikanischen Ländern. Ich begrüße alle diese Initiativen – das ist genau der richtige Weg – und bedanke mich und wünsche, dass Sie so weitermachen und erfolgreich auch weitere Handelsabkommen abschließen können.
Aktionsplan für die Automobilindustrie (Aussprache)
Datum:
12.03.2025 10:22
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Herr Kommissar, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Europa ist Autokontinent. Die europäische Automobil‑ und Zulieferindustrie ist eine unserer Kernindustrien in der Wirtschaft. Über 13 Millionen Menschen arbeiten in der Automobilindustrie, in meinem Heimatland, in Deutschland, alleine über 600 000. Ich will, dass das so bleibt. Ich will, dass diese Arbeitsplätze erhalten bleiben, und deshalb begrüße ich den Aktionsplan der Kommission. Es ist ein richtiges und wichtiges Signal für unsere Betriebe und unsere Mitarbeiter in dieser so wichtigen Industrie. Ich halte es für richtig, dass den Automobilherstellern mehr Zeit gegeben wird, die CO2‑Grenzwerte zu erreichen und damit eben hier die Strafzahlungen zu vermeiden. Die Situation ist wirtschaftlich sehr herausfordernd. Das ist ein richtiger Vorschlag. Das, was mir bei der Kommission jedoch im Aktionsplan fehlt, ist ein ganz klares Bekenntnis, dass sämtliche alternativen Antriebstechnologien auch in Zukunft uneingeschränkt zugelassen werden. Das Aus für den Verbrenner für das Jahr 2035 muss weg. Ich hoffe sehr, dass wir dafür auch hier in diesem Parlament eine Zustimmung bekommen.
Zusammenarbeit von Konservativen und Rechtsextremen als Bedrohung der Wettbewerbsfähigkeit in der EU (Aussprache über ein aktuelles Thema)
Datum:
12.02.2025 11:57
| Sprache: DE
Herr Präsident! Herr Exekutiv-Vizepräsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Was führen wir hier in diesem Hause für eine Scheindebatte? Die linke Hälfte dieses Hauses versucht, eine angebliche Zusammenarbeit der Konservativen mit den extremen Rechten hier herbeizureden. Herbeizureden. Ich kann nur sagen: Es hat nie eine Zusammenarbeit gegeben, es gibt keine Zusammenarbeit, und es wird mit den Rechtsextremen keine Zusammenarbeit geben. Das, was wir uns nicht verbieten lassen von der linken Seite des Hauses, ist, unsere Positionen, unsere Überzeugungen hier in diesem Haus zu formulieren. Das machen, liebe Grüne, liebe Linke, liebe Sozialdemokraten – das macht Ihr genauso. Mein Kollege Daniel Caspary hat aufgezeigt, wer mit wem schon hier sich hat unterstützen lassen. Wenn ich mir die letzten Entscheidungen anschaue: Ich habe gerade mit der Kollegin Monika Hohlmeier diskutiert über die Budget Guidelines. Ja, wer hat denn da mit wem gestimmt? Sie alle, die Linken, die Sozialdemokraten und die Grünen haben mit der AfD, mit der ESN zusammen gestimmt. Ich könnte andere Beispiele nennen. Schauen Sie mal Ihr eigenes Abstimmungsverhalten an, bevor Sie mit dem erhobenen Zeigefinger auf andere Leute hier zeigen. Ich kann nur sagen: Diejenigen, die die Probleme und die Nöte der Menschen in unserem Land ignorieren und sie nicht ernst nehmen, die befördern, dass rechtsextrem und linksextrem gewählt wird. Und wenn Sie sich mal anschauen, was die Ampelregierung in den letzten drei Jahren auf die Reihe gebracht hat: Wir haben über 50 000 Unternehmensinsolvenzen, allein im letzten Jahr die Hälfte dieser Insolvenzen. Wir haben eine steigende Arbeitslosigkeit, 400 000 mehr als zu Beginn der Ampelregierung. Und wir haben 100 Milliarden EUR Kapital, das rausgeht. Das sind Probleme, die wir lösen und angehen müssen und nicht Scheindebatten, die wir im Europäischen Parlament führen.
Arbeitsprogramm der Kommission für 2025 (Aussprache)
Datum:
12.02.2025 09:51
| Sprache: DE
Frau Präsidentin! Herr Kommissar! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Europa als Wirtschaftsstandort wieder attraktiver machen, Industrie und Unternehmen stärken, Freiräume schaffen und vor allen Dingen auch Investitionen nach Europa holen – darum geht es auch in den nächsten Jahren. Das Arbeitsprogramm der Kommission klingt aus meiner Sicht sehr vielversprechend. Alles ist auf Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet. Die Kehrtwende kommt, und Herr Kommissar, Sie sagen ja: kein business as usual. Ich kann das nur unterstützen. Bürokratieabbau soll jetzt ganz konkret angegangen werden. Es soll in Infrastrukturen, in neue Zukunftstechnologien investiert werden, und auch die Energiekosten sollen nach unten gehen. Das klingt alles gut. Ich denke, jetzt müssen auch mutige Vorschläge kommen. Ich denke, es ist wichtig, dass wir endlich mit dem Bürokratieabbau Ernst machen. Weg mit dem ganzen Papierkram, der die Unternehmen nur belastet, weg mit Regeln, die keiner braucht, die überhaupt keinen Mehrwert haben! Auch einfach mal den Mut haben, Regeln abzuschaffen – ich finde das gut. Ich habe mit Freude gelesen, dass es jetzt keinen Vorschlag zu KI-Haftungsregeln gibt. Ich glaube, das brauchen wir nicht. Ich denke auch, alles, was in Sachen Nachhaltigkeitsberichterstattung gelaufen ist, läuft total aus dem Ruder. Hier müssen wir gegensteuern; ich freue mich auf die Vorschläge. Wir müssen in unsere Zukunft investieren, liebe Kolleginnen und Kollegen, das heißt, wir müssen auch Rechenzentren aufbauen; Amerika macht es uns vor. Der Vorschlag, künstliche Intelligenz zu fördern, Gigafabriken aufzubauen, damit auch unsere europäischen Programmierer hier ihre Modelle trainieren können. Ich halte das für einen guten Vorschlag, ich halte das für einen richtigen Weg. Investieren, wo es nötig ist, auch beim European Sky Shield. Ich glaube, das ist es, worauf es jetzt ankommt: zeigen, dass Europa stark ist, handlungsfähig ist und sich auf das Wesentliche konzentrieren kann.
Vorstellung des Kollegiums der Kommissionsmitglieder und seines Programms durch die gewählte Präsidentin der Kommission (Aussprache)
Datum:
27.11.2024 10:28
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Frau Kommissionspräsidentin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Wir brauchen eine handlungsfähige Kommission. Die Herausforderungen, vor denen wir hier in Europa stehen, sind gewaltig, sind heute schon vielfach angesprochen worden: Seit über 1 000 Tagen Krieg in der Ukraine, die Trump‑Administration wird am 20. Januar ins Amt gehen, viele Regionen schotten sich ab, erheben Zölle, unserer Wirtschaft geht es schlecht, Unternehmen bauen in ganz Europa Tausende von Stellen ab. Deshalb kann ich nur alle Kolleginnen und Kollegen noch einmal auffordern, heute die Kommission zu unterstützen, heute die Kommission zu bestätigen und sich damit auch klar zu einem starken gemeinsamen Europa zu bekennen. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Wir können im Nachgang zu der Bestätigung heute der Kommission jeden einzelnen Kommissar und jede einzelne Kommissarin kritisch unter die Lupe nehmen, wenn ich das so sagen darf. Es ist ja noch nicht vorbei mit der Bestätigung, aber heute bitte ich Sie, wirklich noch einmal in sich zu gehen, all diejenigen, die noch Zweifel haben, mit Blick auf das, was in der Welt vor uns liegt und wie wir in der Welt wahrgenommen werden. Bitte geben Sie heute der Kommission mit Ihrem Votum die Bestätigung, die wir brauchen. Danach werden wir weiterhin unsere Aufgabe machen, kritisch hinterfragen, anmahnen. Wenn die politischen Schwerpunkte, die wir uns in der neuen Kommission wünschen, nicht kommen, dann werden wir sicher unsere Arbeit leisten. Aber heute muss ein Signal der Geschlossenheit und der starken Unterstützung für eine starke Kommission und ein starkes Europa von diesem Parlament hier ausgehen und darum bitte ich alle Kolleginnen und Kollegen.
Kehrtwende bei der Bürokratie in der EU: unnötige Auflagen und unnötige Berichtspflichten müssen abgeschafft werden, damit Wettbewerbsfähigkeit und Innovation sich entfalten können (Aussprache über ein aktuelles Thema)
Datum:
23.10.2024 12:18
| Sprache: DE
Herr Präsident, Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Wenn die Bürokratie die Oberhand gewinnt, bleibt der Fortschritt auf der Strecke. Diese Aussage von Franz Josef Strauß hat nichts an Aktualität verloren – im Gegenteil. Unsere Unternehmen sind innovativ, sind fähig, Fortschritt zu gestalten, wenn wir sie denn lassen; doch daran fehlt es eben. Unsere Unternehmen ersticken in bürokratischen Auflagen, in Berichtspflichten, in Dokumentationspflichten, Taxonomie, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Lieferkettengesetz, Ökodesignverordnung, Entwaldungsverordnung, Regeln zur Kreislaufwirtschaft, Regeln zu Verpackungen – um nur einige zu nennen. Dann kommen noch hinzu die sogenannten Durchführungsbestimmungen in den delegierten Rechtsakten, weitere Detailvorgaben, hunderte von Seiten mit Vorgaben, die unsere Unternehmen umsetzen müssen. Das ist ein regulatorischer overkill. Ich glaube, wir müssen radikal umsteuern. Wir brauchen eine Kehrtwende, wir müssen unser gesamtes Regelwerk auf den Prüfstand stellen. Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen auch den Mut haben, unnötige Regelungen einfach mal abzuschaffen.
Dringend notwendige Überarbeitung der Verordnung über Medizinprodukte (Aussprache)
Datum:
09.10.2024 18:43
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Es besteht kein Zweifel mehr daran, dass die Medizinprodukteverordnung zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht war. Sie muss geändert werden und das muss ganz, ganz schnell passieren. Wir haben schon sehr, sehr viel wertvolle Zeit verloren. Wir hier im Europäischen Parlament schlagen seit fast drei Jahren – seit fast drei Jahren! – Alarm. Die ersten Änderungen an der Medizinprodukteverordnung waren gut. Sie reichen aber nicht aus. Die Situation – viele Kollegen haben es ja erwähnt – ist nach wie vor dramatisch. Die europäischen Medizinprodukte‑Hersteller verlassen unsere Europäische Union, die Anmeldungen erfolgen jetzt bei der FDA in den USA und nicht mehr bei uns in Europa. Das ist eigentlich ein großer Skandal. Ich sage auch, wenn man in die Krankenhäuser, wenn man in die Ärzteschaft hineinhört, wenn man die zertifizierten Stellen befragt, alle sagen: So geht es nicht weiter. Ich bitte wirklich die neue Kommission, sofort einen Vorschlag vorzulegen, nicht erst zu evaluieren. Wir haben jetzt drei Jahre Zeit verloren. Wir brauchen ein beschleunigtes Zulassungsverfahren für innovative Medizinprodukte. Die Rezertifizierung von Produkten mit geringem Risiko für alle fünf Jahre muss abgeschafft werden. Wir brauchen auch eine Abschaffung der Zertifizierung von Nischenprodukten.
Die Krise der Automobilindustrie der EU, mögliche Werksschließungen und die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und Arbeitsplätze in Europa zu erhalten (Aussprache)
Datum:
08.10.2024 13:11
| Sprache: DE
Herr Präsident, Herr Vizepräsident der Europäischen Kommission, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Über 13 Millionen Menschen arbeiten in der Automobilindustrie. In Deutschland, in meinem Heimatland, sind es über 780 000. Europa ist Autokontinent. Die europäische Automobil‑ und Zulieferindustrie ist eine der Kernindustrien unserer Wirtschaft. Ich will, dass das so bleibt. Ich will, dass die Arbeitsplätze in der Automobil‑ und Zulieferindustrie bei uns in Europa erhalten bleiben. Ich will auch, dass die Ausrichtung der Branche auf Klimaneutralität gelingt, das heißt, dass die Transformation kommen wird. Der globale Wettbewerb hat sich dramatisch verschärft, es wird auch mit unfairen Methoden gespielt. Daher muss doch die Frage sein: Was nützt unseren Unternehmen, was nützt unseren Betrieben und sichert damit die Arbeitsplätze bei uns hier vor Ort, und was schadet dabei? Das muss unser Maßstab sein. Strafzahlungen, liebe Kolleginnen und Kollegen, nützen nichts. Denn die Automobilindustrie – das erlebe ich zumindest in meiner Heimatregion – ist doch schon seit langer Zeit auf dem Weg, sich nachhaltig auszurichten. Wir müssen die Review der Verordnung über die CO2‑Emissionsgrenzwerte auf das Jahr 2025 vorziehen. Wir müssen die Flottengrenzwerte überprüfen. Wir brauchen eine Lifecycle‑Analyse und wir brauchen Technologieneutralität. Wir müssen das Aus für den Verbrenner korrigieren und auch alternative Kraftstoffe fördern, denn nur so bekommen wir gerade für die Bestandsflotte – das sind bei mir in Deutschland über 40 Millionen Autos, die auf der Straße fahren – einen besseren CO2‑Fußabdruck hin. Wir brauchen global einen fairen Wettbewerb. Ich finde, es ist richtig, dass die Kommission die Androhung der Ausgleichszölle veranlasst hat. Ich hoffe sehr, dass es uns im Verhandlungswege gelingt, durch den Druck, der aufgebaut ist, von Strafzöllen oder von Ausgleichszöllen abzusehen. Das muss das letzte Mittel sein.
Aktueller Stand der Richtlinie über die Sorgfaltspflichten von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit (Aussprache)
Datum:
12.03.2024 17:58
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Herr Kommissar, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Wir alle sind uns darüber einig, dass Menschenrechte und die Umwelt weltweit besser geschützt werden müssen. Die Frage ist also nicht ob, sondern nur, wie wir dieses Ziel erreichen. Ich bin ehrlich: Ich habe erhebliche Zweifel – ich habe das auch in vielen Debatten gesagt –, dass dies mit dem vorliegenden Gesetzesentwurf gelingen wird. Von Anfang an habe ich davor gewarnt, dass das europäische Lieferkettengesetz zu großen bürokratischen Belastungen für unsere kleinen und mittelständischen Betriebe führen wird, ohne dass vor Ort konkret Verbesserungen zu erzielen sind. Es droht vielmehr die Gefahr, dass sich europäische Unternehmen aufgrund der neuen Vorlagen auch aus Entwicklungsländern zurückziehen, und das ist nicht nur eine Gefahr, die ich so theoretisch sehe. Wir haben in Deutschland ja mit dem deutschen Lieferkettengesetz auch unsere Erfahrungen gemacht – es passiert ja gerade. Wenn Unternehmen aus anderen Ländern, wie beispielsweise aus China, dann diese Lücken füllen, wäre doch am Ende niemandem geholfen – weder den Menschen vor Ort noch der Umwelt. Zusätzlich würden wir durch dieses bürokratische Gesetz auch noch an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen. Unser Wohlstand beruht auf den vielen kleinen Tausenden von mittelständischen Unternehmen in Europa. Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit gerade dieser Unternehmen, unseres gesunden Mittelstandes, stärken und nicht durch immer mehr Bürokratie und Bürokratie, wie es gerade auch in diesem Gesetz angelegt ist, untergraben. Herr Kommissar, ich lade Sie ein, wenn Sie sagen, die kleinen mittelständischen Betriebe sind nicht betroffen: Also, dann kommen Sie doch mal, gehen Sie doch in diese Betriebe, gehen Sie doch mal in die Handwerksbetriebe rein! Wir haben im deutschen Lieferkettengesetz jetzt Erfahrung und sehen, dass bis zum kleinsten Urproduzenten hier Fragebögen – 80, 90 Seiten – übermittelt werden und die Betriebe wirklich nicht mehr wissen, wie sie den Wust an bürokratischen Abfragen hier in den Griff kriegen können. Es stimmt einfach nicht. Natürlich ist der Anwendungsbereich, was die Compliance-Strukturen anbelangt, auf die größeren Betriebe konzentriert, aber am Ende des Tages ist doch jeder kleine Unternehmer davon betroffen, und das muss man doch einfach auch mal zur Kenntnis nehmen, wie so ein Gesetz in der Praxis aussieht. Also ich bitte Sie wirklich: Lassen Sie uns diesem europäischen Lieferkettengesetz endlich den Stecker ziehen! Wir reden jeden Tag über Entbürokratisierung, und alle fünf Minuten verabschieden wir ein neues Gesetz, das unsere Unternehmen noch mehr belastet. So kann man doch nicht weitermachen.
Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (Neufassung) (Aussprache)
Datum:
11.03.2024 18:35
| Sprache: DE
Herr Präsident, Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Natürlich muss auch der Gebäudesektor dazu beitragen, dass wir unsere europäischen Klimaschutzziele erreichen, denn der Gebäudesektor macht allein schon 36 % aller CO2-Emissionen in der Europäischen Union aus – das sind jedenfalls die Schätzungen der Kommission. Die Frage ist also nicht, ob wir den Gebäudebestand dekarbonisieren, sondern die Frage ist, wie wir das machen. Und da – glaube ich – gibt es unterschiedliche Meinungen hier. Sozialdemokraten und Grüne wollen eine Sanierungspflicht – das lehne ich ab. Ich halte nichts von Zwang, und ich halte auch nichts von Verboten. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, wir müssen Lust auf Klimaschutz machen. Die Sanierungspflicht für Wohngebäude ist jetzt vom Tisch – zumindest nach der Version, über die wir morgen abstimmen. Aber es gibt nach dem Vorschlag, über den morgen zu entscheiden ist, immer noch eine faktische Sanierungspflicht für Nichtwohngebäude und für öffentliche Gebäude, und es gibt auch detaillierteste Vorgaben für Fahrradstellplätze und für die Vorverkabelung für Ladesäulen und dergleichen. Und da frage ich mich immer wieder: Ist das wirklich die Aufgabe der Europäischen Union? Ist das nicht eine Frage, die in der Region, die in den Kommunen vor Ort entschieden werden muss? Und erlauben Sie mir auch die Frage: Brauchen wir denn überhaupt diese detaillierten Vorgaben, diese Regelung? Wir haben schon vor einigen Jahren den Emissionshandel europaweit auf den Gebäudesektor ausgedehnt – und das halte ich für gut, das halte ich für richtig. Fossile Energie im Gebäudesektor wird teurer. Das ist der richtige Weg, nämlich dass wir versuchen, über den Preis für CO2-Emissionen zu steuern und nicht durch diese Detailmikroregulierung, wie es jetzt in diesem Vorschlag auch wieder angelegt ist. Also, wie gesagt: Ich unterstütze das Ziel. Ich finde es gut, dass wir im Gebäudesektor wirklich auch etwas machen. Aber der Weg, der jetzt wieder beschrieben ist, dass wir wieder in diese klein-klein Mikrodetailregelung hineingehen, den halte ich für falsch.
Die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer besseren Patientensicherheit im Wege der raschen Sicherstellung der Verfügbarkeit von Medizinprodukten durch einen zielgerichteten Übergangszeitraum (Aussprache)
Datum:
29.02.2024 09:48
| Sprache: DE
Herr Präsident, Herr Kommissar, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern es ist bereits fünf nach zwölf. Wir gefährden die Sicherheit unserer Patientinnen und Patienten und wir treiben unsere mittelständische Industrie, unsere mittelständischen Betriebe, die Medizinprodukte herstellen, aus Europa heraus, wenn wir nicht die Medizinprodukte—Verordnung schnellstmöglich überarbeiten. Bereits heute findet ein stilles Sterben bei den Herstellern statt. Herzklappen, Endoskope, Hüftimplantate, Katheter – diese lebensrettenden Produkte sind leider bereits heute bei uns in Europa zur Mangelware geworden. In den Kliniken fehlen Produkte, um Kinder mit angeborenem Herzfehler zu operieren, bzw. die Produkte werden jetzt aus China geliefert. Also es ist wirklich höchste Zeit zu reagieren. Ich erkenne an, dass die Kommission auf unseren Druck hin seit zwei Jahren schon die ersten Schritte unternommen hat, nämlich indem die Rezertifizierungsfristen verlängert wurden und nun auch die Datenbank für Medizinprodukte schneller ausgebaut werden soll. Aber, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, das reicht bei Weitem nicht aus. Wir brauchen – und viele, der Kollege Peter Liese und andere, haben es angesprochen – eine grundlegende Überarbeitung. Es muss ein beschleunigtes Zulassungsverfahren für bahnbrechende Medizinprodukte eingeführt werden. Alle Regeln, die keine Sicherheit, sondern nur bürokratischen Aufwand bringen, müssen gestrichen werden. Und letztlich, das hat der Kollege Andreas Glück ja auch schon angesprochen: Es macht überhaupt keinen Sinn, eine fünfjährige Rezertifizierung von Produkten mit geringem Risiko aufrechtzuerhalten. Auch das muss weg. Wir haben eine große Verantwortung, um mehr Patientensicherheit in Europa zu garantieren. Lasst uns das bitte zügig dann auch in der nächsten Legislatur angehen.
Die Transparenz und das Targeting politischer Werbung (Aussprache)
Datum:
26.02.2024 17:50
| Sprache: DE
– Herr Präsident, Frau Kommissarin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Meinungsmache im Internet, manipulative Botschaften, Fake News und Social Bots – der Einsatz von künstlicher Intelligenz kann in der Tat Wahlen und Abstimmungen beeinflussen. Wir haben das ja im Fall von Cambridge Analytica erleben müssen. Mit der Verordnung über die Transparenz und das Targeting politischer Werbung sollen solche Wahlmanipulationen künftig unterbunden werden – gut so! Aber ich denke, die Regeln sollten so ausgestattet werden, dass wir künftig auch noch für unsere Meinung als politische Parteien werben können, dass Wahlkampf stattfinden kann. Da sind wir – denke ich mir – vor allem in einem Punkt etwas übers Ziel hinausgeschossen: Die Regeln gelten nämlich nicht nur für die Europawahlen, für die – bei uns in Deutschland –Bundestagswahlen, für die Landtagswahlen, sondern sie gelten auch bei der Kommunalwahl. Kommunalwahlen beispielsweise in einer kleinen Gemeinde mit ein paar Hundert Bürgerinnen und Bürgern werden künftig gleichgesetzt beispielsweise mit den Europawahlen, an denen 440 Millionen Menschen teilnehmen. Ich denke, das geht einfach zu weit. Ich denke, wir sollten gerade unsere kommunale Ebene – da haben wir sehr viele ehrenamtlich Tätige – nicht diesen strengen Regeln unterwerfen. Die Werbung gilt ja hier mit Blick auf Transparenz auch nicht nur für Social Media, sondern eben auch für alle Formen der Offlinewerbung. Auch da, finde ich, sind wir etwas übers Ziel hinausgeschossen. Warum muss ich bei jedem künftigen Kugelschreiber, den ich verteile, hier eine Fülle von Transparenzvorschriften beachten? Ich denke, das geht einfach ein bisschen zu weit, und deshalb habe ich mit dem Teil des Vorschlags auch meine Probleme.
Landwirte und die Landbevölkerung stärken – ein Dialog hin zu einer nachhaltigen EU-Landwirtschaft mit fairen Einkommen (Aussprache)
Datum:
07.02.2024 09:41
| Sprache: DE
Frau Präsidentin, Herr Vizepräsident, Frau Ratsvertreterin, meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Landwirte gehen seit Wochen nun auf die Straße, und das zu Recht: Zu viel ist einfach zu viel. Unsere Linie war in der Landwirtschaftspolitik immer, dass wir Politik mit den Landwirten zusammen machen und nicht gegen sie. Wir haben durchgesetzt, dass die Pestizidverordnung nicht kommt. Wir haben durchgesetzt, dass es keine weiteren Flächenstilllegungen mehr gibt. Und wir haben auch durchgesetzt, dass Restholz weiter als erneuerbare Energie genutzt werden darf. Wir brauchen gesunde Lebensmittel. Wir brauchen Landwirte, die Freude daran haben, unsere Landschaft zu pflegen. Wir haben Landwirte, die Nachhaltigkeit jeden Tag leben. Landwirte geben ihr Land immer gut bestellt von Generation zu Generation weiter. Unsere Landwirte haben Wertschätzung verdient und keine Verbote, keine Vorgaben, keine Restriktionen.